Direkt zum Inhalt

Empathie: Die Gedanken der anderen

Um uns in ein Gegenüber hineinzuversetzen, ­brauchen wir uns nicht anzustrengen. Der Neurologe Marco Iacoboni glaubt: Die Spiegelneurone des Gehirns simulieren automatisch, wie sich unsere Mitmenschen verhalten - und was sie wahrscheinlich dazu antreibt.
Spontane EinfühlungLaden...
Am 10. Januar 2006 veröffentlichte die Wissenschaftsjournalistin Sandra Blakeslee in der "New York Times" einen Artikel über Spiegelneurone. Die Überschrift lautete "Zellen, die Gedanken lesen". Ich nehme an, Blakeslee oder ihre Herausgeber wollten auf eine der erstaunlichsten Erkenntnisse hinaus, die uns die Entdeckung von Spiegelneuronen beschert hat: Ihre relativ einfachen physiologischen Eigenschaften ermöglichen uns, zu erfassen, was im Geist anderer Menschen vor sich geht, eine Fähigkeit, der beizukommen stets als unmöglich gegolten hat.
Der populärste gegenwärtig dafür verfügbare Begriff lautet "Gedanken lesen". Ich bin allerdings der Ansicht, dass dieser Ausdruck bereits mit gewissen unzutreffenden Annahmen über den Prozess befrachtet ist, den wir zu verstehen versuchen. Die Floskel "Gedanken lesen" vermittelt unausgesprochen den Eindruck, dass unser Verständnis vom mentalen Zustand anderer symbolisches Denken oder Schlussfolgerungen erforderlich macht. Und tatsächlich war dies unter Wissenschaftlern, die sich mit der kognitiven Fähigkeit beschäftigen, zu verstehen, was in einem anderen vor sich geht, lange eine weit verbreitete Annahme ...
November 2009

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist November 2009

Kennen Sie schon …

Tanzen - Gesunde Bewegung im Takt

Spektrum Kompakt – Tanzen - Gesunde Bewegung im Takt

Bewegung ist gesund, und mit Musik macht sie gleich doppelt so viel Spaß - wie wäre es also mit Tanzen? Sie meinen, Sie können das nicht? Nur Mut! Ihr Körper und Ihre Psyche werden es Ihnen danken.

Dossier 3/2019

Gehirn&Geist – Dossier 3/2019: Mit viel Gefühl

Psychologen erforschen, wie wir zu einem erfüllten Leben finden - Lust und Liebe: Was passiert auf dem Weg zum Höhepunkt? • Sei mutig! So überwinden Sie die Angst vor dem Risiko • Gemeinschaft: Emotionen verstehen, Verbundenheit aufbauen

9/2017

Gehirn&Geist – 9/2017

In dieser Ausgabe hinterfragt Gehirn und Geist das positive Image der Empathie, untersucht die psychologischen Hinterründe der Fake News und betrachtet die neuronalen Spuren von Armut. Außerdem: Gefahrenpotential vom Smartphones und Konsumpsychologie.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen
Literaturtipp

Iacoboni, M.: Woher wir wissen, was andere denken und fühlen. Die neue Wissenschaft der Spiegelneuronen. DVA, München 2009.


Quellen

Gallese, V. et al.: Action Recognition in the Premotor Cortex. In: Brain 119(2), S. 593-609, 1996.
Der erste umfassende Bericht über Spiegelneurone bei Affen beschreibt detailliert die zentralen Eigenschaften dieser Zellen in der Area F5.

Iacoboni, M. et al.: Grasping the Intentions of Others with One's Own Mirror Neuron System. In: Public Library of Science Biology 3(3), e79, 2005.
Die fMRI-Studie belegt, dass Spiegelneurone im rechten unteren Frontallappen je nach Intention einer Handlung unterschiedlich reagieren.