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Empathie: Die Gedanken der anderen

Um uns in ein Gegenüber hineinzuversetzen, ­brauchen wir uns nicht anzustrengen. Der Neurologe Marco Iacoboni glaubt: Die Spiegelneurone des Gehirns simulieren automatisch, wie sich unsere Mitmenschen verhalten - und was sie wahrscheinlich dazu antreibt.
Spontane Einfühlung
Am 10. Januar 2006 veröffentlichte die Wissenschaftsjournalistin Sandra Blakeslee in der "New York Times" einen Artikel über Spiegelneurone. Die Überschrift lautete "Zellen, die Gedanken lesen". Ich nehme an, Blakeslee oder ihre Herausgeber wollten auf eine der erstaunlichsten Erkenntnisse hinaus, die uns die Entdeckung von Spiegelneuronen beschert hat: Ihre relativ einfachen physiologischen Eigenschaften ermöglichen uns, zu erfassen, was im Geist anderer Menschen vor sich geht, eine Fähigkeit, der beizukommen stets als unmöglich gegolten hat.
Der populärste gegenwärtig dafür verfügbare Begriff lautet "Gedanken lesen". Ich bin allerdings der Ansicht, dass dieser Ausdruck bereits mit gewissen unzutreffenden Annahmen über den Prozess befrachtet ist, den wir zu verstehen versuchen. Die Floskel "Gedanken lesen" vermittelt unausgesprochen den Eindruck, dass unser Verständnis vom mentalen Zustand anderer symbolisches Denken oder Schlussfolgerungen erforderlich macht. Und tatsächlich war dies unter Wissenschaftlern, die sich mit der kognitiven Fähigkeit beschäftigen, zu verstehen, was in einem anderen vor sich geht, lange eine weit verbreitete Annahme ...

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  • Quellen
Literaturtipp

Iacoboni, M.: Woher wir wissen, was andere denken und fühlen. Die neue Wissenschaft der Spiegelneuronen. DVA, München 2009.


Quellen

Gallese, V. et al.: Action Recognition in the Premotor Cortex. In: Brain 119(2), S. 593-609, 1996.
Der erste umfassende Bericht über Spiegelneurone bei Affen beschreibt detailliert die zentralen Eigenschaften dieser Zellen in der Area F5.

Iacoboni, M. et al.: Grasping the Intentions of Others with One's Own Mirror Neuron System. In: Public Library of Science Biology 3(3), e79, 2005.
Die fMRI-Studie belegt, dass Spiegelneurone im rechten unteren Frontallappen je nach Intention einer Handlung unterschiedlich reagieren.