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Neurokonstruktivismus: Die große Illusion

Ist unser Bild der Welt nur das Produkt neuronaler Prozesse? Laut Forschern prägen die Eigenarten des Gehirns, was und wie wir wahrnehmen. Trotzdem sei unser Erleben kein Hirngespinst, halten Philosophen dagegen.
Wolkenkuckucksheim

"Wenn du die blaue Kapsel schluckst, ist es aus", sagt Morpheus mit bedeutungsschwerem Blick. "Du wachst in deinem Bett auf und glaubst an das, was du glauben willst." Der Computernerd Neo hat die Wahl: Entscheidet er sich gegen die blaue Kapsel und für die rote, wird er die Wahrheit sehen, verspricht Morpheus. Neo nimmt – logisch: die rote!

Im nächsten Moment erwacht er in einem schleimigen Kokon, aufgehängt in einem mit Flüssigkeit gefüllten Tank. Er ist nackt und an ­diverse Schläuche angeschlossen. Maschinen ­haben die Herrschaft auf der Erde übernommen und halten sich die Menschheit als Energiespender. Um sie in Ruhe ausbeuten zu können, speisen sie in das Nervensystem der Erdlinge eine Matrix ein: die Welt, wie Neo sie kannte. Sie ist in Wahrheit nichts weiter als eine kolossale Computersimulation.

Manchen Kinogänger des Jahres 1999 brachte der Film "Matrix" vielleicht zum ersten Mal auf die Idee, die Welt könne eine einzige große Illu­sion sein. Laut dem Neurokonstruktivismus ist an diesem Hollywood-Szenario womöglich mehr dran, als wir glauben. Demnach leben wir tatsächlich in einer Art virtueller Kunstwelt. Ihr Schöpfer ist allerdings nicht das Computerprogramm irgendeiner überlege­nen Intelligenz, sondern unser Gehirn ...

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  • Literaturtipps

Gabriel, M.: Warum es die Welt nicht gibt. Ullstein, Berlin 2013
Einführung in den "Neuen Realismus" für jedermann

Holt, J.: Gibt es alles oder nichts? Eine philosophische Detektivgeschichte. Rowohlt, Reinbek 2014

Roth, G.: Aus Sicht des Gehirns. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009
Ausführliche Darstellung der Argumente "pro Neurokonstruktivismus"

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