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Serie Praktische Psychologie : Schneller, höher, weiter!

Mentales Training hilft Sportlern, besser zu trainieren und im Wettkampf Höchstleistungen zu bringen.
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Wie ich auf diese Idee kam, weiß ich selbst nicht mehr genau. Seit Jahren schon lief ich leidenschaftlich gern. Nachdem ich eine Reihe von Marathons absolviert hatte, träumte ich schließlich davon, einmal am 100-Kilometer-Lauf im schweizerischen Biel teilzunehmen. Im Frühjahr 2014 meldete ich mich endlich an.

Als praktizierender Sportpsychologe konzentrierte ich mich in der Vorbereitung – neben dem Lauftraining, versteht sich – vor allem auf gewisse "mentale Werkzeuge". Zunächst sammelte ich alle Informationen über das Rennen, die ich finden konnte: Berichte, Karten, ­Videos. Bald kannte ich den Streckenverlauf und das Höhenprofil bestens und wusste, was mich unterwegs erwartete. Dann überlegte ich, wie ich meine Kräfte am sinnvollsten einteilen sollte. So entstand ein Drehbuch, das ich mir beim Training, aber auch abends vor dem Einschlafen oft vergegenwärtigte. Zudem legte ich mir Selbstinstruktionen zurecht für den Fall, dass ich unterwegs in eine Krise geriet und ans Aufgeben dachte. Ich versuchte, mir möglichst genau vorzustellen, wie sich der Zieleinlauf anfühlen würde, der Jubel des Publikums, die Freude darüber, es geschafft zu haben. Das sollte mich unterwegs motivieren.

Als es dann endlich so weit war und das Rennen begann, dachte ich während des Laufs jedoch weniger an das Ziel als vielmehr an die Meilensteine auf dem Weg dorthin. So näherte ich mich Schritt für Schritt der Massage bei Kilometer 56. Als ich dort ankam, war mir klar: Jetzt sind es immer noch 44 Kilometer – mehr als ein ganzer Marathon! Aber davon hatte ich ja bereits viele gemeis­tert, wieso sollte es mir jetzt nicht auch gelingen? Bei ­Kilometer 68 ergriffen mich endgültig ernste Zweifel. Ich dachte: Das packst du nie! Um diesen Tiefpunkt zu überwinden, hielt ich eine Art inneren Monolog. Ich erklärte mir selbst, wie viel Strecke schon hinter mir lag und wie traumhaft sich der Zieleinlauf anfühlen würde. Nach etwa zehn Minuten war ich wieder motiviert: Lauf weiter, das schaffst du! ..

1/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 1/2016

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  • Quellen

Eberspächer, H.: Mentales Training: Das Handbuch für Trainer und Sportler. Copress Sport, München 2012

Engbert, K. et al.: Mentales Training im Leistungssport. Neuer Sportverlag, Stuttgart 2011

Stoll, O. et al.: Lehrbuch Sportpsychologie. Huber, Bern 2010

Alfermann, D., Stoll, O.: Sportpsychologie: ein Lehrbuch in 12 Lektionen. Meyer & Meyer, Aachen 2012

Curli, D. M., Shors, D. J.: Training your brain: Do mental and physical (MAP) training enhance cognition through the process of neurogenesis in the hippocampus? In: Neuropharmacology 64 , S. 506-514, 2013

Erlacher, D.: Mentales Training als Simulation. In: Zeitschrift für Sportpsychologie 17 , pp. 69-77, 2010