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Religionsgeschichte: Jahwes Frau

Ursprünglich war Jahwe eine altorientalische Gottheit wie andere auch. Er gebot dem Wetter – und hatte womöglich ein weibliches Pendant. Erst im Zuge der Kultreform des Josia wäre seine "Aschera" demnach aus dem judäischen Pantheon verbannt worden.

Der Gott Israels war Jahwe – die meisten Autoren der Bibel hegten daran keinen Zweifel. Schließlich hatte er sein Volk aus Ägypten geführt, hatte ihm bei der Eroberung des Gelobten Landes und auch später in diversen Kriegen geholfen. Bei genauerem Hinsehen bekommt dieses klare Bild aber Risse. So erwähnt schon das Alte Testament Konkurrenz, insbesondere durch den Gott Baal. Mehrere Inschriften stellten Jahwe möglicherweise auch eine Aschera, also eine Partnerin an die Seite. Tatsächlich erweist sich der Monotheismus als Höhepunkt einer Entwicklung, die sich anhand der biblischen Quellen allein nicht rekonstruieren lässt.

Der Grund liegt auf der Hand: Alle diese Schilderungen entstanden Jahrhunderte nach den berichteten Ereignissen und unter völlig anderen theologischen Bedingungen. Das Geschichtsverständnis in der Antike zielte aber nicht auf die korrekte Überlieferung, sondern strebte nach einem Verständnis der jeweiligen Gegenwart durch den Blick in ihre Vergangenheit. Deshalb wurden Texte wie die des Alten Testaments immer wieder überarbeitet und ihre Aussagen den aktuell brennenden Fragen entsprechend verändert und zugespitzt. ...

Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 4/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 4/2015

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