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Rezension: Die Idee von Gott als Kulturleistung

Michael Springer über "Den Bann brechen - Religion als natürliches Phänomen" von Daniel C. Dennett
Viele Menschen sind religiös, und viele Menschen haben beruflich mit Naturwissenschaft zu tun. Da bleibt es schon aus statistischen Gründen nicht aus, dass es viele Wissenschaftler gibt, die religiös sind. Die Frage ist, wie beides sich verträgt.

Eine verbreitete Antwort beruft sich darauf, dass die Wissenschaft vieles erklären kann, sogar immer mehr, aber niemals alles. Es gibt nun einmal Bereiche, die sich empirischem Faktensammeln und logischem Schließen entziehen, und dafür fühlt sich traditionell die Religion zuständig. Insbesondere sind moralische Werturteile nicht einfach aus bloßen Fakten abzuleiten. Allein aus der Tatsache, dass in einer Löwenherde das männliche Oberhaupt seine Machtstellung einschließlich des sexuellen Verfügungsrechts über alle weiblichen Mitglieder durch Gewaltanwendung oder Drohung mit derselben aufrechterhält, folgt noch nicht, dass ich diese natürliche Ordnung der Dinge in meiner eigenen Umgebung praktizieren soll.

Solche Fehlschlüsse vom Sein zum Sollen hat der schottische Philosoph David Hume (1711 – 1776) schon im 18. Jahrhundert kritisiert – doch von der Vorstellung, das Sollen werde dem Menschen durch übernatürliche Offenbarung mitgeteilt, hielt dieser skeptische Aufklärer noch viel weniger. Humes "Dialoge über natürliche Religion" waren für damalige Verhältnisse so gewagt, dass er sie zu Lebzeiten nicht publizierte...

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