Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Spezial Embodiment: Die Intelligenz des Körpers

Verblüffende Experimente zeigen: Unser Körper spielt beim Denken eine wichtige Rolle. Psychologen untersuchen, wie bestimmte Bewegungen Lernprozesse im Alltag beeinflussen.
Leib und Seele

Stellen Sie sich vor, Sie sollten einem Außerirdischen erklären, was eine Tasse ist. "Man füllt Flüssigkeit hinein", sagen Sie. Unverständnis auf der anderen Seite – der Außerirdische, so nehmen wir mal an, kennt keine Gravitation und versteht deshalb nicht, wieso die Flüssigkeit überhaupt in der Tasse bleibt. "Bei uns bewegen sich alle Dinge in eine Richtung, die nennen wir 'unten'", erklären Sie dem Alien. "Damit die Flüssigkeit in der Tasse bleibt, muss die Öffnung nach 'oben' zeigen". Wie lange wird es wohl dauern, bis der Außerirdische eine Tasse erkennen kann?
Als Nächstes bringen Sie ihm bei, was Glück ist. Ein sphärisches Wesen, das außerhalb des Gravitationsfelds schwebt, so schrieben George Lakoff and Mark Johnson bereits 1980, würde glücklich sein kaum als Hochgefühl beschreiben – es kennt ja kein oben. Das heißt nicht, dass es nicht glücklich sein kann, aber es würde anders darüber denken. Das Gedankenspiel macht deutlich: Wir erlangen Wissen durch Erfahrungen, die wir in Interaktion mit der Umwelt machen. Durch unsere Fähigkeit, zu sehen, zu hören und uns zu bewegen, haben wir eine räumliche Vorstellung und diese wirkt sich auf unser Denken aus. Zum Beispiel assoziieren wir Glück mit oben und Traurigkeit mit unten.
Dennoch halten wir unser Denken gemeinhin für eine abstrakte, vom Körper losgelöste Fähigkeit ...

Kennen Sie schon …

Spektrum Psychologie – Body Positivity

»Jeder Körper ist schön«, so lautet das Kredo der Bewegung »Body Positivity«. Kritiker fürchten allerdings, diese Haltung könnte der Gesundheit schaden. Zu Recht? Außerdem in diesem Heft: Wie Jugendliche ihr erstes Mal erleben. Und: Fehlentscheidungen, die wir am meisten bereuen.

Spektrum - Die Woche – Passen Wirtschaftswachstum und Klimaschutz zusammen?

Es wird als Königsweg aus der Klimakrise gepriesen. Doch für grünes Wachstum wäre es nötig, Ressourcenverbrauch und Wirtschaftsleistung zu entkoppeln. Wissenschaftler haben Zweifel an dieser Idee.

Spektrum Kompakt – Sex - Wissenschaft im Bett

Was hinter verschlossenen Schlafzimmertüren passiert, bleibt der Forschung großteils verborgen. Manche Fachleute tauchen jedoch tief in die Privatsphäre von Probandinnen und Probanden ein, um deren Sexualverhalten zu vermessen – und bringen dabei auch Unerwartetes zutage.

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Ackerman, J. M. et al.: Incidental Haptic Sensations Influence Social Judgments and Decisions. In: Science 328, S. 1712-1715, 2010

Casasanto, D.: Embodiment of Abstract Concepts: Good and Bad in Right- and Left-Handers. In: Journal of Experimental Psychology: General 138, S. 351-367, 2009

Casasanto, D., Dijkstra, K.: Motor Action and Emotional Memory. In: Cognition 115, S. 179-185, 2010

Casasanto, D., Jasmin, K.: Good and Bad in the Hands of Politicians: Spontaneous Gestures during Positive and Negative Speech. In: Plos One 5, e11805, 2010

Dohmas, F. et al.: Mind the Gap between Both Hands: Evidence for Internal Finger-Based Number Representations in Children's Mental Calculation. In: Cortex 44, S. 359–367, 2008

Fadiga, L. et al.: Visuomotor Neurons: Ambiguity of the Discharge or Motor Perception? In: International Journal of Psychophysiology 35, S. 165-177, 2000

Fischer, U. et al.: Sensori-Motor Spatial Training of Number Magnitude Representation. In: Psychonomic Bulletin and Review 18, S. 177-183, 2011

Klein, E. et al.: The Influence of Implicit Hand-Based Representations on Mental Arithmetic. In: Frontiers in Psychology 10.3389/fpsyg.2011.00197, 2011

Lakoff, G., Johnson, M.: Metaphors We Live by. University of Chicago Press, Chicago 1980. (Deutsche Übersetzung: Lakoff, G., Johnson, M.: Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Carl-Auer-Systeme-Verlag, Heidelberg 2004 (4. Aufl.))

Martin, A.: The Representation of Object Concepts in the Brain. In: Annual Review of Psychology 58, S. 25-45, 2007

Moeller, K. et al.: Learning and Development of Embodied Numerosity. In: Cognitive Processing 13 Supplement 1, S271-S274, 2012

Slepian, M. L., Ambady, N.: Fluid Movement and Creativity. In: Journal of Experimental Psychology: General, 141, S. 625-629, 2012