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Kontroverse um DSM-5: Die Neuordnung der Seelenleiden

Weltweit bildet das Diagnosemanual der amerikanischen Psychiatervereinigung die Grundlage zur Definition seelischer Krankheiten. Seine neue, fünfte Version ­erscheint 2013 - und sorgt jetzt schon für erhebliche Diskussionen. Kritiker bemängeln, die Neuauflage der "Psychiaterbibel" werde die Zahl der Patienten ­drastisch erhöhen. Die entscheidende Frage lautet: Was ist noch normal?
Jenseits der SchubladenLaden...

Es war einmal eine Geisteskrankheit, die hieß Melancholie. Manche nannten sie auch ­"endogene Depression" – denn sie glaubten, dass sie aus unerforschlichen Gründen in einem Menschen entstehe, während die normale Depression eher durch Schicksalsschläge von außen verursacht werde. William James (1842-1910), einer der Gründerväter der modernen Psychologie, hielt die Melancholie für eine ­"Seelenqual, die dem gesunden Leben völlig ­unbekannt ist". Schuldgefühle und Hoffnungs­losigkeit kennzeichneten die Krankheit angeblich ebenso wie eine alles beherrschende Angst vor dem drohenden Ruin.
Doch seit 1980 gibt es die Melancholie nicht mehr. In der dritten Ausgabe des US-amerikanischen Diagnosesystems DSM (von: Diagnostic and Statistical Manual) wurden die vormals zwei Formen der Depression zu einer zusammengefasst. Das DSM gilt Psychiatern in aller Welt als die "heilige Schrift" der psychischen Störungen. Es prägt auch ihre Einteilung im hier zu Lande gültigen Krankheitsverzeichnis der Weltgesundheitsorganisation, der ICD (International Statistical Classification of Diseases).
Bevor die Melancholie aus dem Katalog der Seelenleiden verbannt wurde, hatten führende Psychiater jahrelang miteinander gerungen ...

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  • Quellen

Frances, A.: Opening Pandora's Box: The 19 Worst Suggestions For DSM-5. In: Psychiatric Times, 11. Februar 2010

Herpertz, H.: Was bringt das DSM-5 Neues zur Klassifi­kation der Persönlichkeitsstörungen? In: Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie 59, S. 261-266, 2011

Hyman, S. E.: Interview with Steven E. Hyman. In: Trends in Cognitive Sciences 16, S. 3-5, 2012

Lord, C. et al.: A Multisite Study of the Clinical Diagnosis of Different Autism Spectrum Disorders. In: Archives of General Psychiatry 69, S. 306-313, 2012

Miller, G., Holden, C.: Proposed Revisions to Psychiatry's Canon Unveiled. In: Science 327, S. 770-771, 2010

Moynihan, R.: A New Deal on Disease Definition. In: British Medical Journal 342, d2548, 2011

Parker,G. et al.: Whither Melancholia? The Case for Its Classification as a Distinct Mood Disorder. In: American Journal of Psychiatry 167, S. 745-747, 2010

de Zwaan, M., Herzog, W.: Diagnostik der Essstörungen - Was wird das DSM-5 bringen? In: Der Nervenarzt 82, S. 1100-1106, 2011