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Gefährliche Geschosse: Die Suche nach Asteroiden auf Kollisionskurs



Am 7. Januar dieses Jahres brachte uns ein Felsstück von der Größe eines Einkaufszentrums wieder einmal in Erinnerung, wie voll es im Sonnensystem eigentlich ist. Mit seinen rund 300 Metern Durchmesser war der Asteroid 2001 YB5 so klein, dass ihn bis Ende Dezember niemand bemerkt hatte – aber groß genug, um einen Krater vom Umfang einer Kleinstadt zu erzeugen, wäre er auf der Erde eingeschlagen. Zum Glück kam er unserem Planeten nicht näher als 830000 Kilometer (gut die doppelte Entfernung zum Mond), und zumindest für die nächsten Jahrhunderte droht uns keine Gefahr von ihm.

Aber was ist mit den 1500 anderen bekannten erdnahen Kleinplaneten? Sie sind aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter ausgebrochen und schwirren nun als potenzielle kosmische Bomben um uns herum. YB5 war da kein Sonderfall. Weltall-Trümmer von seinem Kaliber kommen fast jedes Jahr der Erde bedrohlich nahe, meint David Morrison vom Ames-Forschungszentrum der Nasa in Mountain View (Kalifornien). Einen Treffer gibt es aber nur alle 20000 bis 30000 Jahre.

Gefährliche Objekte zu finden, lange bevor sie zu einer Bedrohung werden, ist das Ziel des neuen britischen Informationszentrums für erdnahe Objekte, das im April am National Space Science Centre im englischen Leicester seine Arbeit aufgenommen hat. Die Asteroid-Jäger dort und bei einer Hand voll anderer Institutionen auf der Welt beschäftigen sich vor allem mit Objekten ab einem Kilometer Durchmesser. Das ist die Untergrenze, ab der beim Aufprall mit globalen Zerstörungen zu rechnen ist.

Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein solcher Asteroid in den nächsten hundert Jahren einschlägt, schwankt zwischen 1:4000 und 1:8600. Das hat Alan Harris vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa kürzlich errechnet. Eine genauere Prognose erwartet die amerikanische Raumfahrtbehörde von ihrem Spaceguard Survey Program. Es zielt darauf ab, neunzig Prozent der Asteroiden aufzuspüren, die mehr als einen Kilometer Durchmesser haben und sich auf Kollisionskurs mit der Erde befinden.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2002, Seite 66
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
7 / 2002

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 7 / 2002

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