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Gedächtnisforschung: Die totale Erinnerung

Manche Menschen können sich an Ereignisse, die sie vor 20 und mehr Jahren erlebt haben, wie auf Knopfdruck bis in kleine Details erinnern – als wäre es gestern gewesen. Neurowissenschaftler versuchen die biologischen Grundlagen dieser phänomenalen Fähigkeit zu enträtseln.
Überlegenes autobiografisches Gedächtnis

Anfang 2000 erhielt einer von uns (McGaugh) die E-Mail einer Frau namens Jill Price, die unter ihrer extremen Gedächtnisleistung litt. Unter anderem schrieb sie:

"Hoffentlich können Sie mir irgendwie helfen. Ich bin 34 Jahre alt, und mit elf erwarb ich diese unglaubliche Fähigkeit, mich zu erinnern … Ich kann Ihnen für jedes Datum zwischen 1974 und heute sagen, auf welchen Wochentag es fällt und was ich an dem Tag tat, und wenn damals irgendetwas sehr Wichtiges geschah, kann ich es Ihnen beschreiben. Ich schaue vorher nicht in einen Kalender, und ich lese auch nicht in den Tagebüchern, die ich seit 24 Jahren führe."

Wir bezweifelten zwar, was Price behauptete, wurden aber doch neugierig und luden sie in unser Forschungszentrum an der University of California in Irvine ein, wo wir die neurobiologischen Grundlagen von Lernen und Gedächtnis studieren. Am 24. Juni 2000 erschien Price zum verabredeten Termin; das war ein Samstag. Wir wissen das noch, weil ihr Besuch auf einem Laborkalender verzeichnet ist. Price hingegen braucht keinen Kalender, um sich an solche Fakten zu erinnern. …

3/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 3/2015

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  • Quellen

LePort, A. et al.: Behavioral and Neuroanatomical Investigation of Highly Superior Autobiographical Memory (HSAM). In: Neurobiology of Learning and Memory 98, S. 78 - 92, 2012

Lurija, A. R.: The Mind of a Mnemonist. A Little Book about a Vast Memory. Basic Books, New York 1968

McGaugh, J. L.: Memory and Emotion: The Making of Lasting Memories. Columbia University Press, New York 2003