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Interview: Die vergessenen Seuchen

Chagas-Krankheit, Leishmaniose, Afrikanische Schlafkrankheit – Millionen Menschen leiden unter einer dieser tropischen Infektionskrankheiten, und dennoch haben Pharmafirmen und staatliche Gesundheitssysteme die Seuchen jahrzehntelang praktisch ignoriert. Die DNDi (Drugs for Neglected Diseases initiative) bringt seit acht Jahren Regierungen und Firmen, Forscher und Stiftungen an einen Tisch, um die Entwicklung neuer Wirkstoffe anzustoßen. Auf dem Berliner World Health Summit 2011 befragte "Spektrum der Wissenschaft" den Präsidenten der DNDi, Bernard Pécoul, zu den Bemühungen und Erfolgen der Organisation.
Bernard PécoulLaden...

Spektrum: Herr Dr. Pécoul, warum werden vergleichsweise häufige Krankheiten wie Leishmaniose oder Chagas-Krankheit von Forschern vernachlässigt?

Dr. Bernard Pécoul: Solche "Neglected Diseases" sind zwar in der Tat recht verbreitet, aber aus betriebswirtschaftlicher Perspektive lohnt sich die Entwicklung von Medikamenten für Pharmafirmen nicht. Das liegt daran, dass die überwiegende Mehrheit der Patienten in wirtschaftlich schwachen Ländern lebt, in Entwicklungsländern. Aber auch in Schwellenländern wie Indien sind die Erkrankungen verbreitet, wobei dort die Betroffenen meist armen Schichten zugehören. Es handelt sich vor allem um Infektionskrankheiten, die noch immer die wichtigste Ursache für die hohe Sterblichkeit der Ärmsten der Welt darstellen.

Und das nur, weil der Absatzmarkt für solche Medikamente fehlt?

Pécoul: Bei den vernachlässigten Krankheiten hat sowohl der private als auch der öffentliche Sektor versagt. Es wäre zu einfach, nur die Pharmafirmen zu beschuldigen, dass sie nicht investieren, denn diese müssen auf Refinanzierung achten. Die Firmen werden daher erst unter Führung oder auch auf Druck der öffentlichen Hand aktiv. Das bedeutet nicht, dass neue Medikamente oder Impfstoffe in Zukunft in staatlichen Forschungsinstituten entwickelt werden müssten. Aber es gilt, den Entwicklungsprozess zu stimulieren, Prioritäten zu setzen und Rahmenbedingungen sowie Anreize zu schaffen.

Januar 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Januar 2012

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