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Sozialverhalten: Die Wurzeln der Kooperation

Dass Menschen in großen Gemeinschaften zusammenhalten und füreinander einstehen, verdanken wir frühen evolutionären Anpassungen anderer Primaten, vielleicht sogar aller Säugetiere.
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Um zu erklären, wie die Menschheit dazu kam, die Erde zu beherrschen und auf eine Bevölkerungszahl von heute schon über sieben Milliarden anzuwachsen, reden Evolutionsbiologen gern von Konkurrenzkampf und Übertrumpfen. Unsere Vorfahren eigneten sich Land an, brachten enge Verwandte wie die Neandertaler zum Aussterben und rotteten große Raubtiere aus. Die Eroberung der Welt war in dieser Sichtweise vor allem ein gewaltsames, blutiges Geschäft.

Sieht man allerdings genauer hin, erscheint solch ein Szenario unwahrscheinlich. Der kleine, verletzliche Mensch war wohl kaum Herrscher der Savanne. Immerfort musste er vor großen jagenden Tieren auf der Hut sein, zum Beispiel vor Hyänenpacks und fast einem Dutzend verschiedener Großkatzen. Ich meine deswegen, dass wir unsere Überlegenheit weniger dem Gewalteinsatz als vielmehr unserer Kooperationsfähigkeit verdanken – einem Mit- und Füreinander, das Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschaft einschließt.

Unser Hang zum Kooperieren hat alte evolutionäre Wurzeln. Aber nur der Mensch bildet Gruppen, die sonst Unmögliches zu leisten vermögen. Nur er besitzt komplexe Moralvorstellungen, die dem Übernehmen von Verantwortung für andere einen hohen Stellenwert zuschreiben und die sich auch über Bestrafung und das Ansehen des Einzelnen regeln. Manchmal tun Menschen für andere sogar Dinge, die den Ruf des Homo sapiens als egoistisches Wesen Lügen strafen. ...

Mai 2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Mai 2015

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  • Quellen

De Waal, F.: Das Prinzip Empathie. Was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können. Carl Hanser, München 2011

De Waal, F., Suchak, M.: Prosocial Primates: Selfish und Unselfish Motivations. In: Philosophical Transactions of the Royal Society B 365, S. 2711 - 2722, 2010