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Geistesblitze - Kognition: Digitaler Tunnelblick

Abstraktes Denken fällt uns vor dem Computerbildschirm offenbar schwerer. Das berichten Geoff Kaufman von der Carnegie Mellon University und Mary Flanagan vom Dartmouth College nach einer Versuchsreihe mit mehr als 300 Probanden. Diese mussten sich jeweils identischen Lesestoff zu Gemüte führen – entweder ausgedruckt auf Papier oder in digitaler Form am Laptop beziehungsweise auf dem Tablet. Danach stellten die Wissenschaftler ihnen Fragen zum Inhalt.

Jene Probanden, die die Texte am Bildschirm gelesen hatten, waren deutlich schlechter darin, die Informationen zu interpretieren. In einem Versuch bekamen die Teilnehmer etwa eine Beschreibung von vier fiktiven japanischen Autos vorgelegt und sollten anschließend einschätzen, welches Fahrzeug den anderen in Bezug auf die genannten Daten überlegen war. Dies gelang rund 66 Prozent der Teilnehmer, die die Beschreibung auf Papier gelesen hatten – aber nur 43 Prozent von denen, die am Computer lesen mussten. Umgekehrt verhielt es sich dagegen bei konkreten Fragen zum Text: So erinnerten sich Bildschirmleser zum Beispiel an mehr Details aus einer Kurzgeschichte als Papierleser.

Der Effekt rühre unter anderem daher, so vermuten Kaufman und Flanagan, dass wir beim mobilen Lesen auf Tablet und Smartphone viele Texte nebenbei konsumieren und sie lediglich überfliegen. Deshalb würden wir bei digitaler Lektüre gewohnheitsmäßig auf weniger anstrengende Denkprozesse zurückgreifen und die Informationen nicht so tief verarbeiten. (dz)

Proceedings of the 2016 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems 10.1145/2858036.2858550, 2016

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