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Zoologie: Drucksensor im Kiefer



In stockfinstrer Nacht lauert der Alligator, halb unter dem Wasserspiegel verborgen, auf Beute. Taucht jetzt ein Tier sein Maul zum Trinken ins Nass, ist sein Schicksal besiegelt. Doch wie kann der Räuber sein Opfer in der Dunkelheit so zielgenau orten? Offenbar benutzen Alligatoren dazu ein bisher unbekanntes Sinnesorgan: Stecknadelgroße Grübchen an ihrer Schnauzenspitze nehmen noch den geringsten Wellenschlag wahr. Ironischerweise dienten diese Drucksensoren seit langem zur Unterscheidung der einzelnen Arten, da sie als blaue Punkte deutlich sichtbar sind. Ihre Funktion war jedoch unbekannt. Nun lüftete Daphne Soares an der Universität von Maryland das Geheimnis. Wenn sie die Grübchen mit einem Plastikband zuklebte, wurden die Alligatoren für Wellen "taub", während sie sonst selbst auf kleinste Tröpfchen reagierten, die ins Wasser fielen. Die Tiere nutzen die Druckmesser schon seit rund 200 Millionen Jahren. Denn auch fossile Krokodilkiefer haben kleine Löcher im Knochen für die Nerven, die die Erregung der Sensoren ins Gehirn weiterleiten. Das gilt allerdings nur für amphibische Arten und nicht für solche, die ausschließlich an Land leben. (Nature, 16. 5. 2002, S. 241)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2002, Seite 77
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
7 / 2002

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 7 / 2002

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