Direkt zum Inhalt

Dyskalkulie: "Rechenschwäche gibt es nicht"

Wenn Kinder mit Mathematik auf Kriegsfuß stehen, attestieren ihnen Experten häufig eine so genannte Rechenschwäche. Doch dieser Begriff lädt die Schuld zu Unrecht bei den Betroffenen selbst ab, meint der Mathematikdidaktiker Wolfram Meyerhöfer von der Universität Paderborn. Jedes Kind könne rechnen lernen – mit den richtigen Methoden.
Wolfram Meyerhöfer

Herr Professor Meyerhöfer, immer mehr Kinder und Jugendliche haben Probleme in der Schule. Warum leiden rund sieben Prozent von ihnen an einer Rechenschwäche?
Wir wissen nicht, ob immer mehr Schüler Probleme haben. Kinder, die nicht lesen oder rechnen konnten, wurden früher oft ignoriert. Mich interessiert übrigens auch wenig, ob es früher besser war. Ich will nämlich, dass hier und jetzt jedes Kind rechnen lernt.
Sieben Prozent lernen es aktuell aber nicht.
Das wird behauptet. Ich würde erwidern: Diese Zahl kommt nur durch die Form der Testkonstruktion zu Stande. Man bastelt diese Tests so, dass die Resultate einer Standardnormalverteilung folgen. Dann legt man willkürlich fest, ab welcher Abweichung vom Mittelwert man dem Kind eine Rechenschwäche attestiert. Damit ist aber bereits vor der Untersuchung bestimmt, wie viel Prozent der Kinder hinterher als "rechenschwach" einsortiert werden ...

Kennen Sie schon …

Spektrum - Die Woche – »Geheimnisse drehen sich meist um die Herkunft«

Geheimnisse hat wohl jede Familie – über manche Dinge spricht man einfach nicht gern. Das sollte man aber manchmal, sagt der französische Psychiater Jacques Dayan im Interview. Außerdem: Wir wissen ja alle, dass Sport sehr gesund ist. Der Grund dafür ist aber überraschend komplex.

Gehirn&Geist – Tagträumen

»Gehirn&Geist« erklärt in »Tagträumen - Zwischen Kreativitätsschub und Alltagsflucht« die Vor- und Nachteile, wenn wir unsere Gedanken schweifen lassen. Außerdem: Körperästhetik: Die Macht der sozialen Medien; Gendermedizin: Psychische Störungen bei Frauen und Männern; Schlaf: Wie er sich im Alter verändert; Asexualität.

Spektrum der Wissenschaft – Mathematik für die Zukunft

In »Mathematik für die Zukunft« stellen wir den neuen Formalismus der verdichteten Mengen vor, der von Peter Scholze und Dustin Clausen entworfen wurde. Daneben: Evolution der Säugetiere, rätselhafte Radioblitze, Funde in Jerusalem.

Schreiben Sie uns!

15 Beiträge anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Literaturtipp

Gaidoschik, M.: Rechenschwäche vorbeugen. 1. Schuljahr: Vom Zählen zum Rechnen: Das Handbuch für LehrerInnen und Eltern. G&G Verlag, Wien 2007
Dieser praktische Leitfaden erklärt anhand verschiedener Beispiele, wie Eltern und Lehrer ihre Kinder bei der Entwicklung des Zahlenbegriffs unterstützen können.