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Editorial: Auf dem Weg zur Neuropsychoanalyse

Wächst nun zusammen, was schon immer zusammengehörte? Für Vertreter der Psychoanalyse scheint es so. Mehr als ein Jahrhundert, nachdem Sigmund Freud seine "Rede­kur" begründete, bestätigen Hirnforscher jetzt deren Wirksamkeit. Der Wiener Seelenkundler hätte darüber frohlockt, wollte er doch ursprünglich ein Modell der menschlichen Psyche auf bio­logischem Fundament entwickeln. Doch standen ihm dazu die Methoden der modernen Hirnforschung noch nicht zur Verfügung.

Wie sich die Psychoanalyse seit Freuds Tagen gewandelt hat, erläutert die Medizinjournalistin Dunja Voos ab S. 44. Am Beispiel der Studentin Nina, die unter Ängsten leidet, fächert die Autorin das Spektrum der psychodynamischen Therapieangebote auf und erklärt auch, warum Wirksamkeitsstudien für diese Behandlungsformen besonders knifflig sind. "Tiefenpsychologen berücksichtigen immer die persönliche Geschichte ihrer Patienten", betont Voos. Wohl auch deshalb hat die Psychoanalyse seit ihrem furiosen Start am Ende des 19. Jahrhunderts bis heute nichts an Anziehungskraft eingebüßt.

Im zweiten Beitrag zu unserem Titelthema schildern die Psychologin Anna Buchheim, der Psychiater Manfred Cierpka, der Analytiker Horst Kächele und der Neurobiologe Gerhard Roth, wie der Blick ins Gehirn mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) und Elektroenzephalografie (EEG) den Therapieeffekt einer Psychoanalyse offenbaren kann (ab S. 50). Gemeinsam haben die vier renommierten Forscher in einer Pionierstudie mit 20 depressiven Patienten, die alle analytisch behandelt wurden, eine Art neurowissenschaftlichen Verlaufstest entwickelt. Ein Meilenstein für die Therapieforschung.

Freuds Erbe hat Zukunft, ohne dabei die Herkunft außer Acht zu lassen – das Gleiche gilt auch für "Gehirn und Geist". Vor Ihnen liegt ein grundlegend überarbeitetes Heft, an dessen ­Konzept die Redakteure und Layouter seit Januar 2012 feilten. Nach zehn Jahren fanden wir es an der Zeit, die Gestaltung des Magazins zu modernisieren, die Lesbarkeit zu verbessern – und neue Ideen umzusetzen, etwa in Form der Rubriken "Kurz und gut" (S. 54) und "Die GuG-Infografik" (S. 62). Im Lauf der Monate haben wir mit vielen von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, gesprochen und Ihre Kritik beherzigt. Jetzt sind wir gespannt darauf, wie Ihnen das neue GuG gefällt. Schreiben Sie uns bitte – und empfehlen Sie uns gern weiter, wenn Sie das Heft überzeugt!

Im Namen des ganzen Teams grüßt Sie
Ihr
Carsten Könneker

11/2012

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2012

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