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Editorial: Den Geist visualisieren?

Viele Neurowissenschaftler eint eine Vision: durch das Gehirn eines lebenden Menschen zu streifen und zu verstehen, was die betreffende Person wahrnimmt, was sie fühlt, was sie antreibt. Seit 2002, als wir "Gehirn und Geist" ins Leben riefen, hat diese Vision auch etliche unserer Beiträge inspiriert. Deshalb haben wir uns für die 111. Ausgabe des Magazins vorgenommen, dieses grundlegende Thema gründlich und auf dem aktuellen Stand zu beleuchten.

Einen Überblick über die Meilensteine der modernen Bildgebung seit ihren Anfängen gibt Isabelle Bareither von der Berlin School of Mind and Brain ab S. 40. Ihre "Bildergeschichte des Gehirns" verdeutlicht, wie Forscher sich nach und nach mit aufwändiger Technik in die neuronale Architektur unseres Denkapparats vortasteten. Dabei stellt die Psychologin auch die Frage, was die wissenschaftlichen Artefakte wirklich zeigen. Denn "Visualisierungen des Geistes" liefern die bildgebenden Verfahren der Hirnforschung eben nicht! Und wenn wir meinen, man könne dem Gehirn heute beim Denken zusehen, spielt uns womöglich nur die Sprache einen Streich (siehe S. 58).

Im zweiten Beitrag zum Titelthema geht es um Karten vom lebenden Gehirn. Die Neurophysiker Stefan Geyer und Robert Turner werfen einen Blick in die Zukunft individueller Hirnkarten. Vor einem Jahrhundert unterteilte der Neuroanatom Korbinian Brodmann die menschliche Großhirnrinde in 43 Felder; noch immer orientieren sich Forscher an seinen Erkenntnissen. Das große Manko: Bislang konnten Gehirne nur posthum exakt kartiert werden. Die Hochfeld-Magnetresonanztomografie verspricht jetzt neue Möglichkeiten. Mit ihrer Hilfe kann es gelingen, feinere und individuellere Hirnkarten zu erstellen als je zuvor – und zwar vom lebendigen Menschen.

Viel Freude beim Schauen und Verstehen
wünscht Ihr
Carsten Könneker

5/2014

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 5/2014

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