Direkt zum Inhalt

Editorial: Die Astronomie wird bunter

In der Titelgeschichte stellen wir neue Quellen für Gravitationswellen vor: Neutronensternbeulen, Supernova und der Urknall selbst.
Andreas Müller

Liebe Leserin, lieber Leser,

als im Februar 2016 der erste direkte Nachweis von Gravitationswellen verkündet wurde, betitelte das der damalige SuW-Chefredakteur Uwe Reichert mit »Eine neue Ära der Astrophysik« (SuW 4/2016). Ich freue mich sehr, dass das publizistische Gesamtwerk von Uwe Reichert nun mit dem Bruno-H.-Bürgel-Preis der Deutschen Astronomischen Gesellschaft ausgezeichnet wird (siehe S. 89).

Sechs Jahre nach der messtechnischen Meisterleistung bei Gravitationswellen wurden inzwischen mehrere Dutzend Signale nachgewiesen. Die meisten stammen aus dem Todestanz zweier kollidierender Schwarzer Löcher. Das ist offenbar ein Auswahleffekt, weil das aktuell für Detektoren zugängliche Frequenzband schmal und die Empfindlichkeit der Messgeräte noch zu gering ist. Übertragen auf die optische Astronomie wäre es so, als ob man nur blaues Licht registrieren könnte. Aber die Welt der Gravitationswellen ist bunt und die Zahl kosmischer Quellen um ein Vielfaches höher. Welche das sind und wie farbenfroh die Aussichten in der Gravitationswellenastronomie der nächsten Jahre und Jahrzehnte sein werden, erfahren Sie von Bruce Allen und Benjamin Knispel ab S. 26.

Gravitationswellen bereichern unsere Sicht auf das Universum und enthüllen zuvor Unbekanntes. Wir lernen so zum Beispiel mehr über Schwarze Löcher, Neutronensterne, Sternexplosionen und den Urknall. All das ist sehr faszinierend – gerade für junge Menschen. Umso mehr bin ich erschüttert darüber, wie wenig dieses Potenzial der Astronomie an Schulen genutzt wird. In Deutschland haben wir einen Flickenteppich, der von keiner astronomischen Bildung in der Schule bis zum eigenen Unterrichtsfach in drei Bundesländern reicht. Der ehemalige sächsische Lehrer Lutz Clausnitzer legt ab S. 38 stichhaltige Argumente für ein Schulfach Astronomie vor. Es würde die naturwissenschaftliche Grundbildung in allen Ländern bereichern.

Zu den Grautönen unseres Alltags gehört der Verlust eines lieben Menschen. Lutz Clausnitzer, der sich wie kaum ein anderer um Astronomie an Schulen verdient gemacht hat, weilt nicht mehr in unserer Mitte. Wir würdigen ihn ab S. 45.

Husch ins Heft!
Ihr Andreas Müller

Kennen Sie schon …

Spektrum - Die Woche – 38/2021

In dieser Ausgabe widmen wir uns unter anderem der dunklen Energie und dem Goldrausch am Amazonas. Außerdem erklären wir, was die Körpersprache und die Blicke eines Menschen verraten.

Sterne und Weltraum – 9/2021

Jagd auf Nebel: Neuer Katalog von Amateuren - Mehr als Fiktion: Warp-Antrieb und negative Energie - Sonnensystem: Neue Erkenntnisse, wie alles begann - Helle Supernova: Sternexplosion folgte auf doppelte Detonation - Kometenjahr 2020: Nicht nur NEOWISE überraschte

Spektrum der Wissenschaft – Highlights 3/2021: Die großen Rätsel des Universums

Extreme Phänomene, exotische Teilchen, ferne Welten - Dunkle Materie: Modifizierte Gravitation statt neuer Teilchen? • Schwarze Löcher: Die Saat der ersten Quasare • Hubble-Konstante: Streit um die Ausdehnung des Kosmos

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!