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Editorial: Die unsichtbare Macht

Redaktionsleiter Dr. Hartwig Hanser

Zurzeit wird uns allen die ungeheure Macht der Viren besonders eindrücklich vor Augen geführt. Dabei bestehen diese winzigen Partikel nur aus ein paar Molekülen: DNA oder RNA sowie – als Virionen außerhalb befallener Zellen – einigen Proteinen und vielleicht noch einer Membranhülle, fertig. Sie sind zudem auf Wirtszellen angewiesen, um sich zu vermehren. Deshalb sprechen viele ihnen gar den Status eines Lebewesens ab. Und trotzdem haben es die unsichtbaren Molekülaggregate geschafft, unser Leben in den letzten Wochen massiv zu beeinträchtigen. Wieder einmal, muss man sagen, nach all den Virusepidemien der Menschheitsgeschichte, von den inzwischen glücklicherweise ausgerotteten Pocken über die Spanische Grippe bis hin zur aktuellen Covid-19-Pandemie.

Deren Erreger namens Sars-CoV-2 stellt die Forschung vor große Herausforderungen. Ein zentraler Punkt ist die möglichst zügige Einführung eines wirksamen Impfstoffs. Ab S. 25 beschreibt der Biochemiker Stefan Müller seine Arbeit an einem der Kandidaten dafür, die derzeit weltweit entwickelt und geprüft werden. Im Juni sollen erste Tests an Menschen beginnen; wenn alles klappt, könnte der Impfstoff in einem Jahr in die Massenproduktion gehen.

Bis dahin ist die Politik gefordert. Um Wirksamkeit wie Notwendigkeit der verschiedenen sozialen und gesellschaftlichen Eingriffe zur Eindämmung der Krankheitsausbreitung besser einzuschätzen, greifen die Entscheider zunehmend auf Computersimulationen zurück, die den Verlauf der Epidemie abhängig von verschiedenen Einflussfaktoren nachstellen. Wie die Forscher beim Entwickeln solcher Modelle vorgehen, können Sie ab S. 22 lesen.

Während uns die Covid-19-Pandemie im Griff hält, sollte man aber nicht vergessen, dass Viren nicht nur eine Gesundheitsbedrohung darstellen. Sie spielen auch eine sehr nützliche, vermutlich sogar lebensnotwendige Rolle. In den letzten Jahren geriet das Mikrobiom in den Fokus der Forscher: die Gesamtheit aller Mikroorganismen – etwa Bakterien – in unserem Körper. Dieser beherbergt allerdings mindestens genauso viele Viren wie Mikroben. Die meisten von ihnen infizieren gezielt bestimmte Bakterien und regulieren so das Mikrobiom. Damit erweisen sich die in uns lebenden Viren als unsere Verbündete, die uns helfen, gesund zu bleiben. Und wie der Artikel ab S. 40 aufzeigt, lassen sich mit ihrer Hilfe sogar antibiotikaresistente Bakterien effektiv bekämpfen.

Eine erhellende Lektüre wünscht
Hartwig Hanser

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