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Editorial: Lyrisches Hirnjogging

Kennen Sie "Kommt"? Dieses Gedicht von Gottfried Benn rankt sich um die Zeilen "Kommt, reden wir zusammen / wer redet, ist nicht tot", die mit raffinierter Gruseligkeit an ein Kinderlied erinnern. Ich wollte es mir eigentlich nie merken – im Gegensatz zu manch anderem Gedicht, dass ich auswendig lernte, um mein Gedächtnis zu trainieren. Wie ich heute weiß, nützt das in der Regel jedoch wenig: Hirnjogging (ob mittels Lyrik, Rätseln oder anderen Übungen) fördert laut Studien nicht die geistige Kapazität.

Anders als die mühsam gebimsten und längst vergessenen Verse hat sich mir Benns Wortgemälde tief eingeprägt. Und zwar aus einem einfachen Grund: Weil es mich, als ich es zum ersten Mal las, emotional berührte.

Das illustriert gleich zwei Erkenntnisse der Gedächtnispsychologie: Wir lernen oft das am besten, was uns gefühlsmäßig anspricht, und viele Lernprozesse laufen automatisch ab, ohne bewusste Kontrolle.

Für das Titelthema dieser Ausgabe habe ich die wichtigsten praktischen Lehren aus der psychologischen Lernforschung gezogen. Welches sind die effektivsten Strategien – und wo lauern Irrtümer? Viele Mythen wie die Lehre von den Lerntypen oder vom Nutzen des Hirnjoggings halten sich hartnäckig, obwohl sie oft kontraproduktiv sind. Insofern kann man auch davon beim Lernen profitieren: indem man sich von solchen überkommenen Glaubenssätzen frei macht.

In diesem Sinn werden auch Sie hoffentlich die eine oder andere Erkenntnis für Ihren Alltag aus dem Beitrag ab S. 30 ziehen. Und sich danach vielleicht entspannt zurücklehnen und Ihr Unbewusstes für Sie lernen lassen.

Viel Spaß dabei wünscht Ihr
Steve Ayan

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