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Editorial: Von Menschen und Maschinen

Ein Moment des Zögerns, ein Räuspern, ein Wimpernschlag – und schon ist es passiert: Wir wissen genau, was unser Gegenüber denkt oder im Schilde führt. Menschen sind geborene Gedankenleser. Wohl gerade weil wir dieses Metier so gut beherrschen, gruselt uns die Vorstellung, Maschinen könnten uns darin eines Tages den Rang ablaufen. Mit Methoden des Neuroimaging, die einen immer differenzierteren Blick ins Gehirn erlauben, sind Forscher heute unseren mentalen Geheimnissen auf der Spur. In Experimenten konnten sie Gedankeninhalte von Probanden allein anhand von Hirnscans entschlüsseln – wenn auch nur unter fest definierten Bedingungen und längst nicht mit 100-prozentiger Trefferquote. Wie der Telepath zwischen unseren Ohren ist auch Kollege Technik nicht unfehlbar. Kann der Traum vom "gläsernen Gehirn" jemals Realität werden?

In diesem Heft werfen wir einen Blick auf die Fakten. Daniel Bor von der University of Cambridge fasst ab S. 14 den Stand des Gedankenlesens per funktioneller Bildgebung zusammen. Der Psychologe Frank Rösler rückt dann in seinem Kommentar (S. 19) die Dimensionen des Unternehmens zurecht: Bei Billionen möglicher neuronaler Zustände sei es geradezu vermessen, beliebige Gedanken aus der Hirnaktivität herausfiltern zu wollen. Der Wissenschaftsjournalist Chris­tian Wolf schließlich zeigt einen goldenen Mittelweg auf (S. 20): Verlässlichen Aufschluss über geistige Prozesse liefern Studien, die den Blick ins Gehirn mit Verhaltensmessungen und der subjektiven Innenschau von Probanden kombinieren.

Eine gedankenreiche Lektüre wünscht
Ihr
Steve Ayan

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