Direkt zum Inhalt

Editorial: Wie authentisch bin ich?

Daniel Lingenhöhl

Am liebsten gehe ich in Jeans und T-Shirt ins Büro; darin fühle ich mich am wohlsten. Doch für einen Chefredakteur gibt es natürlich nicht wenige Anlässe, bei denen ein Anzug – oft mit Krawatte – die Kleidung der Wahl ist. Früher hätte ich mich darin maximal unwohl, weil überhaupt nicht authentisch gefühlt. Ich wäre mir damit nicht selbst treu gewesen: Anzug und Krawatte standen für die Art Beruf, die für mich nicht in Frage kam.

Zum Glück entwickeln wir uns in unserem Leben weiter und passen uns an – was wiederum (so paradox es klingt) die eigene Authentizität fördert, wie mein Kollege Steve Ayan ab S. 12 schreibt. Heute bereitet es mir deshalb keine Schwierigkeiten mehr, mich in einen Anzug zu kleiden. Im Gegenteil: Ich freue mich sogar, wenn die Kolleginnen und Kollegen hier im Haus es wahrnehmen und finden, dass ich darin eine gute Figur mache.

Aber nicht jede Weiterentwicklung ist vorteilhaft. Das zeigt mir unser Artikel über Trypophobie von Chrissie Giles (S. 70): Demnach ekelt der Anblick löchriger oder rissiger Oberflächen viele Menschen oder ängstigt sie sogar. Wahrscheinlich ist diese Furcht ein evolutionärer Schutzmechanismus, der uns vor kranken Mitmenschen zurückschrecken lässt. Doch selbst die Samenkapseln der Lotosblume können diese mitunter sehr heftige Reaktion auslösen. Bevor ich von der Trypophobie erstmals las, machte mir ein solcher Anblick nichts aus. Heute hingegen spüre ich dabei zumindest ein leichtes Kribbeln auf der Kopfhaut. Die Erforschung und Behandlung dieses Phänomens stehen noch am Anfang. Das Internet spielte dabei eine doppelte Rolle als Beschleuniger: Es machte Forscher darauf aufmerksam, wie verbreitet das Phänomen ist, und triggerte gleichzeitig Betroffene.

Bitte kommen Sie jetzt nicht auf die Idee, gleich nach Bildern im Netz zu suchen: Die ersten Treffer dürften zumindest einige von Ihnen ziemlich gruseln.

Bleiben Sie sich treu, Ihr

Daniel Lingenhöhl

Kennen Sie schon …

Gehirn&Geist – Perfektionismus - Ein Risikofaktor für psychische Erkrankungen?

Rund 30 Prozent der Erwachsenen zeigen perfektionistische Tendenzen – doch oft hat dies auch seinen Preis. Perfektionismus kann ein Risikofaktor für psychische Erkrankungen sein. Wir berichten, wie ein gesunder Umgang mit den eigenen hohen Ansprüchen gelingen kann und welche Form von Perfektionismus Eltern vermeiden sollten, um ihre Kinder zu entlasten. Außerdem werfen wir einen Blick auf die langen Wartezeiten in der Psychotherapie, beleuchten, ob Ohrstöpsel tatsächlich den Schlaf verbessern, und fragen, wie wir möglichst lange gesund leben können.

Spektrum - Die Woche – Die Erkrankung mit den vielen Gesichtern

Depression hat unterschiedliche Gesichter – viele Menschen wirken stark, präsent und voller Energie. Doch manchmal verbirgt sich hinter dem Lächeln ein stiller Schmerz. Außerdem: Warum Jeffrey Epstein den Kontakt zu berühmten Wissenschaftlern suchte.

Gehirn&Geist – Verbrechen: Die Psychologie des Bösen

Warum faszinieren wahre Verbrechen? True Crime ist ein Spiegel unserer psychologischen Neugier: Was macht Menschen zu Tätern – und wie gelingt es Ermittlern, die Wahrheit ans Licht zu bringen? In dieser Ausgabe geht es um die Kräfte, die Menschen in den Abgrund treiben oder zurückholen. Wir zeigen, warum Rache selten Frieden bringt, wie gefährliche Häftlinge in Sicherungsverwahrung leben, was das Stockholm-Syndrom über Überlebensstrategien verrät und mehr.

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.