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Editorial


Liebe Leserin, lieber Leser,

Wissenschaftsjournalisten sollten eigentlich ihrem Handwerk nachgehen statt darüber zu reden. Doch das Jubiläumsheft zum zwanzigjährigen Bestehen von SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT – das Sie in der Hand halten – ist für mich Anlaß genug, Ihnen von unserer Zeitschrift und unserem Gewerbe zu berichten (zum runden Geburtstag bieten wir Ihnen auch ein besonderes Poster – mit ungewöhnlichen "Erdansichten" als Beigabe).

Zu den Formen des Glücks zählte Aristoteles einst auch das Leben als Forscher und Philosoph. Dieses Glück ist heute nicht mehr so leicht zugänglich wie noch vor 2300 Jahren. Die Wissenschaft hat sich seitdem in viele hundert Spezialdisziplinen aufgesplittert, die sich vor der Öffentlichkeit oft hinter Fachjargon und in Elfenbeintürmen verbergen. Sich dieses Wissen zu erschließen stillt nicht nur die Neugier einiger weniger. Was wir etwa vom irdischen Klimasystem wissen, liefert entscheidende Anhaltspunkte, um Bedrohungen für die Zukunft zu erkennen. "Was wir nicht verstehen, macht uns Angst", schreibt uns zum Jubiläum Hubert Markl (Seite 12). Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft weiß wie kaum ein anderer, daß aus einem Mangel an Aufklärung Dämonisierung und Verblendung – und damit gesellschaftliche Fehlentwicklungen – erwachsen können.

Wer heute am Wissen der Welt teilhaben will, braucht Vermittler, die zwischen Spezialisten und Laien wirken. Deshalb verwundert es auch nicht, daß sich dafür bei SPEKTRUM durchweg Fachleute als Redakteure versammelt haben. Denn SPEKTRUM teilt als Wissenschaftsmagazin das Prinzip des Mutterblattes "Scientific American", vor allem die Wissenschaftler selbst zu Wort kommen zu lassen. Dies sind in der Regel die besten ihres Fachs, die mit innovativen Ideen Furore gemacht haben.

Die Bilanz: In den letzten 20 Jahren kamen in SPEKTRUM um die 40 Nobelpreisträger zu Wort; in über 2000 Übersichtsartikeln breiteten Forscher ihre Themen aus. Dabei kommt inzwischen die Hälfte unserer Berichte aus der deutschen Forschungsszene, die aus amerikanischer Sicht ja nicht immer im Zentrum der Wahrnehmung steht.

Das ist nicht zuletzt meinem Vorgänger Albrecht Kunkel zu verdanken, der in den vergangenen 16 Jahren SPEKTRUM ausgebaut und zu dem gemacht hat, wofür das Magazin heute steht. Jetzt habe ich den Stab übernommen und möchte Ihnen weiterhin jenes aristotelische Glücksgefühl vermitteln, das wir empfinden, wenn wir die Welt begreifen, in der wir leben. Herzlich
Ihr Reinhard Breuer PS: In diesen Tagen erscheint unser SPEKTRUM SPEZIAL "Ozeane" – wenn Sie möchten: Viel Spaß bei diesem faszinierenden Thema!


Aus: Spektrum der Wissenschaft 11 / 1998, Seite 3
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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