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Editorial


Liebe Leserinnen, liebe Leser,



ob der Mensch im Weltall etwas zu suchen hat, ist seit Jurij Gagarins spektakulärer erster Erdumrundung 1961 umstritten. Dazu fiel mir stets das Diktum der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ein, nach dem die „bemannte Raumfahrt Probleme löse, die man ohne sie nicht hätte“.

Jetzt flog Ende Oktober der 77jährige US-Veteran John Glenn als bisher ältester Astronaut für neun Tage ins All, um sich – ein Novum – Experimenten zur Weltraum-Gerontologie zu unterziehen. Ob das nun mehr war als ein PR-Gag, wie die meisten Amerika-ner glauben, sei dahingestellt. Ob der Körper der „Welt-raumlegende“ (so die NASA) von 1962 neue Erkenntnisse für längere Raumflüge liefert, bleibt zwar abzuwarten, kann aber bezweifelt werden. Die Langzeitaufenthalte der Russen auf ihrer Raumstation Mir jedenfalls erbrachten medizini-sche Ergebnisse, die nicht unbedingt für die Weltraumtaug-lichkeit unserer Spezies sprechen. Der Raumfahrtmediziner Ronald J. White äußert sich in seinem Beitrag (Seite 38) skeptisch bis verhalten optimistisch: Er will jedenfalls nicht ausschließen, daß „Menschen sich längere Zeit im Weltall aufhalten und später wieder normal auf der Erde leben“ könnten.



Daß die Erde aus Materie besteht, ist eigentlich selbstverständlich. Doch die Physiker wundern sich darüber, daß es überhaupt Materie gibt. Dahinter versteckt sich nichts weniger als eines der fundamen-talen Rätsel der Natur. Genauer gesagt, sind es zwei: Einmal die Frage, wie einst im Urknall überhaupt Materie entstand.

Und, zweitens, die Frage, warum beim Urknall-Kampf von Materie gegen Antimaterie überhaupt ein „Rest“ übrigblieb – nämlich der, aus dem unter anderem wir bestehen. Wie unser Beitrag auf Seite 90 schildert, starten die Teilchenforscher in Kürze eine Reihe von Großexperimenten, die diese Fragen aufklären sollen. Hoffentlich: Diese Experimente verteuern sich mit jeder Gerätegeneration dramatisch, ihr Wissensertrag schrumpft relativ gesehen, und die Grundfragen bleiben zumeist dennoch offen.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 12 / 1998, Seite 3
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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