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Editorial


Liebe Leserinnen, liebe Leser!



Timing ist die halbe Miete – das dachten sich jedenfalls die Teilnehmer am Wettlauf um das erste Millenium-Baby. Da werden viele enttäuscht sein. Denn jeder, der die Statistik konsultiert, kann ersehen, daß allenfalls fünf Prozent der Babys am erwarteten Datum das Licht der Welt erblicken.

Aber egal: Wer in den ersten Sekunden des nächsten Neujahrs einen Sprößling haben will, für den ist der Zug nun abgefahren. Am 9. April plusminus ein paar Tage mußte es passiert sein, der Rest ist biologischer Zufall. So möchte man glauben – und so leicht irrt man sich. Denn australische Forscher haben jetzt entdeckt, daß der Zeitpunkt der Geburt kein „Zufall“ ist. Ein Plazenta-Hormon, das bislang nur aus dem Gehirn bekannt war, steuert gleich einem Dirigenten ein Orchester anderer Hormone, die bis zum Jubeltag die Körper von Mutter und Kind „geburtsreif“ machen.

Die Angelegenheit hat erhebliche medizinische Bedeutung. Sechs bis acht Prozent aller Babys werden um mehr als drei Wochen zu früh geboren. Nicht wenige davon sind gesundheitlich gefährdet. Diese „Frühchen“ erreichen oft nur unter beträchtlichem Aufwand ihr reguläres Geburtsalter. Einige erleiden dauerhafte Schäden. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, Frühgeburten vorzubeugen und eine reguläre Niederkunft herbeizuführen – ohne kalendarische Spielchen (ab Seite 46).



An Versprechen für neuartige Energiequellen hat es noch nie gemangelt. Doch ob Kernkraft oder Kernfusion – entweder fehlte die Akzeptanz oder eine funktionierende Technik. Daß auf dem Meeresgrund weltweit gewaltige Mengen an sogenannten Methanhydraten lagern, ist erst seit wenig mehr als einem Jahrzehnt bekannt. Die Energievorräte in diesen eisartigen Substanzen sollen die sämtlicher Kohle-, Erdöl- und Erdgas-vorkommen der Erde übertreffen. Zu ihren Mitentdeckern zählen Professor Erwin Suess und sein Team vom Geomar Forschungszentrum für marine Geowissenschaften in Kiel, die über ihre bahnbrechenden Arbeiten ab Seite 62 berichten. Eine neue Energiequelle versprechen die Autoren jedoch nicht. Die Hydrate zersetzen sich leicht, und Möglichkeiten einer groß-technischen Ausbeutung sind vorerst nicht in Sicht.

Ihre Erforschung lohnt aber dennoch: Bei einer Erwärmung der Erde könnten aus dem Hydrat Unmengen des Treibhausgases Methan entweichen und die globale Klimaänderung dadurch gewaltig verstärken.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 6 / 1999, Seite 3
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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