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Editorial


"Dahinter steckt immer eine kluge Maus!" Nein – wir möchten nicht einen Werbespruch der FAZ auf Spektrum ummünzen. Die Maus auf der Titelseite soll nur Ihre Aufmerksamkeit für ein Thema wecken, das zu den aufregendsten in diesem Heft gehört. Amerikanischen Forschern ist es nämlich mithilfe der Gentechnik gelungen, die Intelligenz zu steigern, zumindest wesentliche Aspekte davon – bei Mäusen. Joe Tsien, Molekularbiologe an der Princeton Universität und Autor unseres Beitrags auf Seite 36, erforschte an dem Nagetier, was beim Lernen und Erinnern im Gehirn passiert. Ihm und seinen Kollegen gelang es, ein bestimmtes Rezeptorelement der Hirnneuronen dauerhaft zu aktivieren, das bei erwachsenen Mäusen für gewöhnlich zurückgefahren wird. Die auf diese Weise jung gebliebenen Tiere zeigten in der Tat verblüffende Geistesgaben: Im Vergleich mit unbehandelten Kontrollmäusen erinnerten sie sich besser, lernten schneller und zeigten sich auch beim Labyrinth-Test überlegen.

Tsiens Befund erklärt biologisch, warum Kinder in der Regel besser lernen als Erwachsene. Die evolutionären Gründe für das altersbedingte Drosseln der Rezeptoraktivität liegen freilich noch im Dunkeln. Doch die Wissenschaftler interessiert jetzt vor allem die Aussicht, ihre Resultate auf den Menschen zu übertragen. Eine Pillenkur, die uns in eine Horde von Einsteins oder auch nur in Gedächtniskünstler verwandelt, wird es allerdings, da sind sich die Forscher sicher, vorerst nicht geben. Realistischer scheint Tsiens Nahziel: Verbesserungen bei der Behandlung von altersbedingten Gedächtnisschwächen und Alzheimer-Symptomen im Frühstadium.

Von Alzheimer zu Krebs: Im Windschatten des Vorreiters USA gerät auch bei uns das Rauchen immer mehr in die Kritik. Das ändert vorerst aber nichts daran, dass in Deutschland jährlich fast vierzigtau-send Menschen an Lungenkrebs sterben, davon neuntausend Frauen. Zu 85 Prozent ist die Ursache des Leidens Tabakrauch – und somit kein unabwendbares Schicksal. "Aufhörappelle bewirken jedoch leider fast gar nichts", beklagt Peter Drings, "zumal in einem Land, in dem in den meisten Gaststätten nicht einmal Nichtraucherzonen durchsetzbar sind." In seinem Beitrag legt der Leiter der Heidelberger Thoraxklinik dar, was über die Auswirkungen des Zigarettenrauchs auf den Körper bekannt ist und mit welchen Therapien die Medizin heute gegen Lungenkrebs vorgeht (Seite 54).


Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2000, Seite 3
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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