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Editorial



Der Atomphysiker Enrico Fermi fragte schon vor 50 Jahren skeptisch: "Wenn es sie gibt, wo sind sie dann?" Nicht erst seit etwa der Naturphilosoph Giordano Bruno ferne Welten von merkwürdigen Kreaturen bevölkert sah (für derlei ketzerische Gedanken wurde er im Jahre 1600 in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt), beflügeln Außerirdische unsere Fantasie; Ufo-Meldungen geistern regelmäßig durch die Medien, im Fernsehen machen sich mehrere Mystery-Serien mit tückischen Invasoren aus dem All Konkurrenz.

Die dilettantische Jagd nach fliegenden Untertassen in ein seriöses Projekt der Wissenschaft verwandelt zu haben, war das Verdienst von Astronomen wie Guiseppe Cocconi, Philip Morrison, Frank Drake und Carl Sagan. Seit den 60er-Jahren wird das Weltall dank dieser Pioniere in diversen Seti-Projekten (search for extraterrestrial intelligence) belauscht, bislang ohne den geringsten Erfolg.

Das mag viele zwar enttäuschen. Doch andererseits überrascht es eigentlich nicht, dass alle Suchaktionen nach Anzeichen außerirdischer Technologie erfolglos blieben. Einen Grund dafür nennt in unserem Seti-Schwerpunkt George Swenson Jr., Mitglied des legendären Cyclops-Projekts, das einst den Plan verfolgte, auf der Erde ein riesiges Radioauge zu bauen. Seiner Ansicht nach würde allein schon das Problem der interstellaren Kommunikation über größere kosmische Distanzen die Energie-Ressourcen der irdischen Zivilisation überfordern.

Fermis Skepsis ist trotzdem leicht nachzuvollziehen: Schon mit unserer gegenwärtigen Raketentechnik ließe sich nach einer Art Schneeballprinzip die Galaxis in 50 bis 100 Millionen Jahren besiedeln. Kosmisch gesehen ist das eine kurze Zeitspanne – und so sollten uns andere Zivilisationen selbst mit relativ bescheidenen Mitteln entdeckt haben. Haben sie aber nicht – jedenfalls nach allem, was wir wissen. Und das bereitet uns weiterhin Kopfzerbrechen.

Der britische Astronom Ian Crawford unternimmt in seinem Beitrag einen neuen Anlauf, das Rätsel zu lösen. Nicht überzeugend scheint ihm die pessimistische Annahme, alle Lebensformen mit Technik brächten sich irgendwann selbst um. Crawford glaubt eher, dass der evolutionäre Übergang von Ein- zu Mehrzellern die Ursache für die Seltenheit intelligenten Lebens im All ist. Bevor unsere Tier- und Pflanzenwelt entstand, war die Erde drei Milliarden Jahre nur von einzelligen Organismen bewohnt.

Falls wir als technologische Zivilisation einmalig sind, dann, empfiehlt der Seti-Forscher, ist es vielleicht an uns, mit der Kolonisation des Milchstraßensystems zu beginnen (Seite 32).

Aus: Spektrum der Wissenschaft 11 / 2000, Seite 3
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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