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Editorial



Neue Technologien und Erkenntnisse aus dem Labor revolutionieren die Medizin – von Genetik über Neurobiologie bis hin zu Robotik. So kommt es nicht von ungefähr, dass sich diese Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft schwerpunktmäßig medizinischen Themen widmet – der Herzchirurgie, der Zahnmedizin und dem weltweiten Impfproblem. Freilich bieten solche Artikel oft nur Versprechungen und Prophezeiungen, auf die wenig Verlass ist. Doch diesmal berichten wir von Behandlungsfortschritten, die teils schon Kliniken und Patienten erreicht haben.

1. Herz. Bypassoperationen – weltweit rund 800000 pro Jahr – sind kostspielig und nach wie vor riskant. Der Brustkorb muss aufgesägt, der etwa einstündige Herzstillstand mit einer Herz-Lungen-Maschine überbrückt werden. Seit Anfang der neunziger Jahre verfolgen Mediziner schonendere Ansätze. Bypässe lassen sich auch am schlagenden Herz anbringen – ohne Herz-Lungen-Maschine. Bis zum Jahr 2005 soll die Hälfte dieser Operationen so durchgeführt werden. Sogar das traumatische Aufsägen des Brustkorbs lässt sich inzwischen vermeiden. Die neue Technik – bereits praktiziert in München, Leipzig und Dresden – verdankt ihren Erfolg nicht zuletzt einem Roboter, der den Chirurgen beim Eingriff unterstützt (Seite 50).

2. Zähne. Vom Zahnschmerz geplagt, begibt sich jeder notgedrungen, aber nicht immer gerne in Medizinerhände. Dabei hat in der Zahntechnik in den letzten Jahren eine Revolution stattgefunden: Raffiniertere Diagnostik, neue Materialien und endlich ein Paradigmenwechsel in Richtung einer konservierenden Präventionsmedizin kennzeichnen die moderne Zahnarztpraxis. Motto: vom Klempner zum Dienstleister (Seite 84).

3. Seuchen. Es klingt unglaublich: Jährlich sterben zwei Millionen Kinder vor allem in der Dritten Welt an Seuchen, weil sie nicht geimpft wurden. Warum? Klassische Impfstoffe müssen gekühlt, transportiert und zumeist per Spritzen verabreicht werden. Das erfordert ein Versorgungssystem, das vor allem die Ärmsten der Armen nicht erreicht. Seit einem Jahrzehnt arbeiten deshalb Pflanzengenetiker an einer "lokalen Lösung", nämlich daran, essbare Impfstoffe zu erzeugen, die vor Ort angebaut werden können. Dafür werden Bananen, Tomaten oder Kartoffeln genetisch so verändert, dass ihr Verzehr zugleich gegen bestimmte Krankheiten immunisiert (Seite 64).

Noch werden diese Produkte an Tieren getestet. Erweisen sie sich als erfolgreich, profitieren wir alle. Denn in einer mobilen Welt könnte uns die Wiederkehr der Seuchen mit einer Wucht treffen, die sich heute noch niemand vorstellen mag.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 2001, Seite 3
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 2001

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