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Editorial



Warum ist al-Biruni interessant? Der orientalische Universalgelehrte des 11. Jahrhunderts zeigt – vielleicht in noch höherem Maße als sein bekannterer Zeitgenosse und Briefpartner Avicenna –, wie ein aufgeklärter Geist mit Mystik und Aberglauben seiner Zeit, etwa in Medizin und Astronomie, aufräumen kann. Im Westen wurde al-Biruni erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt, als vor allem Alexander von Humboldt auf den arabischen Gelehrten hinwies. Solche – manchmal vergessenen – Gestalten der Wissenschaftsgeschichte möchten wir Ihnen immer wieder nahe bringen. Denn an ihnen wird klar, dass späteren Wissenschaftlern Entdeckungen oft nur gelangen, weil sie, wie Newton es für sich formulierte, "auf den Schultern von Riesen standen" (Seite 74).

Warum ist das Knie der roten chilenischen Vogelspinne von Bedeutung? Weil es nach einem Prinzip funktioniert, mit dem eine neue Generation von Handprothesen betrieben werden kann.

Nicht durch Anspannung von Muskeln, die mehrere Knochen umspannen, bewegt sich das Tier. Die Spinne Grammostola spalulata streckt ihre Kniegelenke, indem sie Körperflüssigkeit in einen Hohlraum presst. Das ist selbst in der Tierwelt ungewöhnlich. Doch in der Medizintechnik eröffnet es ganz neue Perspektiven. Wissenschaftler des Forschungszentrums Karlsruhe benutzen diesen Trick der Natur, um etwa Handprothesen zu schaffen, die vielen der 27000 so behinderten Menschen in Deutschland helfen könnten.

Der Trick: In elastische Hohlräume von Kunststofffingern wird beispielsweise Luft eingeblasen. Drucksensoren und Mikroelektronik steuern die weiche Kunsthand. Sie hat Eigenschaften, die einer natürlichen Hand näher kommen als Vorläufermodelle, bei bisher unerreicht geringem Gewicht (Seite 60).

Mit dieser Ausgabe beginnen wir drei neue Rubriken, damit "Spektrum" für Sie noch informativer und interessanter wird:

- "Wissenschaft in Unternehmen" liefert Einblicke, wie (oft junge) Firmen geniale und nützliche Ideen in die ökonomische Wirklichkeit umsetzen. Auf Seite 114 starten wir mit einem Portrait der vor drei Jahren gegründeten Freiburger Firma BioTissue, die unter anderem eine neue Generation von Hautersatz aus körpereigenen Zellen herstellt.

- "Wissenschaft im Internet" gibt Ihnen Tipps und Hinweise auf Web-sites zu spannenden Themen aus dem Forschungsbereich (Seite 109).

- "Ausgezeichnet" berichtet über ausgewählte Arbeiten, für die Wissenschaftler mit Preisen bedacht wurden. (Seite 96).

Aus: Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001, Seite 3
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
5 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001

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