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Pharmakologie: Hoffen auf Phage M13

Vor mehr als zehn Jahren kam eine israelische ­Alzheimerforscherin auf die Idee, dass ein ­uraltes Virus neurologische Erkrankungen heilen könnte. Der an Parkinson leidende Journalist Jon Palfreman verfolgt den Weg dieses potenziellen Universalmittels.
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2004 spekulierte der Chemiker Chris Dobson, es könne ein Universalelixier geben, mit dem man nicht nur in den Kampf gegen das Alpha-Synuclein bei Parkinson ziehen könnte, sondern gegen alle Amyloide, die entstehen, weil Proteine falsch gefaltet werden. Bemerkenswerterweise hat im gleichen Jahr die Israelin Beka Solomon von der Universität Tel Aviv einen Kandidaten für das Elixier entdeckt, mit dem man nicht gerechnet hatte: natürlich vorkommende Mikroorganismen, die Phagen oder Bakteriophagen genannt werden. Einer davon ist ein bescheidenes Virus, das die Wissenschaftler mit M13 bezeichnen und das mit gerade mal einem Mikrometer Länge und sechs Nanometer Breite ausgesprochen winzig ist.

Unter den vielen Varianten von Viren gibt es welche, die nur Bakterien infizieren. Diese Phagen oder Bakterio­phagen sind uralte Organismen, die seit über drei Mil­liarden Jahren existieren und praktisch überall vorkommen − vom Ozeanboden bis zum menschlichen Magen. Das Ziel des Phagen M13 ist, einen ganz bestimmten Typ von Bakterie zu infizieren: Escherichia coli oder E. coli, die in großen Mengen im Darm von Säugetieren vorkommt. Wie andere Mikroorganismen haben auch die M13-Phagen nur einen Zweck: ihre Gene weiterzugeben. Um das zu tun, haben sie Waffen entwickelt, die ihnen das Eindringen in ihre bakteriellen Gastgeber und deren Übernahme ermöglichen – und deren Tod verursachen. Vor der Entdeckung der Antibiotika haben Ärzte gelegentlich Phagen benutzt, um auf andere Weise nicht heilbare bakterielle Infektionen zu kurieren.

Beka Solomon machte die glückliche Entdeckung eines Tages, als sie eine neue Klasse von Mitteln gegen Alzheimer testete. Sie ist eine führende Alzheimerforscherin, die als Pionierin der so genannten Immuntherapie gegen diese Krankheit bekannt ist. Die Immuntherapie setzt besonders hergestellte Antikörper ein, die die Plaques und Bündel der Krankheit angreifen sollen. Wie man schon in der Schule im Biologieunterricht lernt, sind Antikörper Y-förmige Proteine, die Teil der natürlichen Verteidigung des Körpers gegen Infek­tionen sind. Diese Proteine sind so ausgelegt, dass sie sich an Invasoren hängen und sie festhalten, so dass sie durch das Immunsystem zerstört werden können. Seit den 1970ern sind die Molekularbiologen in der Lage, menschliche Antikörper auf genetische Weise umzu­gestalten, um unerwünschte Eindringlinge wie beispielsweise Krebszellen zu bekämpfen. In den 1990ern versuchte Solomon dann nachzuweisen, dass solche speziell gestalteten Antikörper auch die Beta-Amyloid-Plaques bei Alzheimer wirkungsvoll attackieren können ...

2/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 2/2016

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  • Quelle

Dieser Artikel ist ein leicht gekürzter Auszug aus "Stürme im Gehirn. Dem Rätsel Parkinson auf der Spur" von Jon Palfreman (übersetzt von Carl Freytag). Das Buch erscheint am 8. Februar 2016 im Beltz Verlag.