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Kommunikation: Eine gemeinsame Sprache erhält die Freundschaft

Gute Freunde brauchen oft nur wenige Worte, schon weiß der eine, was der andere meint. Das könnte nicht bloß an der gemeinsamen Geschichte liegen, sondern auch an einer ähnlichen Ausdrucksweise: Menschen mit ähnlichem Sprachstil freunden sich eher an. Und dann gleichen sie sich sprachlich weiter aneinander an, wie Balazs Kovacs von der Yale University und Adam Kleinbaum vom Dartmouth College beobachteten.

Zunächst untersuchten die Forscher 285 Studienanfänger einer US-amerikanischen Privatuniversität. Deren Sprachproben stammten aus Bewerbungsessays sowie späteren Prüfungstexten. »Aus einem ähnlichen Sprachstil im Bewerbungsessay lässt sich vorhersagen, dass Studierende eher Freunde werden und bleiben, und wenn sie früh Freunde werden, dann nähern sie sich linguistisch bis zum Examen weiter an«, so das Ergebnis der Wissenschaftler.

Zu vergleichbaren Resultaten kamen Kovacs und Kleinbaum bei einer linguistischen Analyse von 1,7 Millionen Bewertungen für Geschäfte, die knapp 160 000 Kunden aus sieben Städten auf der Website Yelp.com hinterlassen hatten. Der Abgleich mit ihren Kontakten in Online-Netzwerken ergab erneut: Je ähnlicher sich die Kunden ausdrückten, desto wahrscheinlicher waren sie miteinander befreundet. Und je länger die Freundschaft, desto mehr hatte sich der Sprachstil angeglichen.

Menschen ahmen einander nach, weil sie sich zugehörig fühlen wollen, erklären die Wissenschaftler das Phänomen. Die Effekte seien zwar klein. Doch das sei nicht verwunderlich, denn in der Sprache spiegelten sich unbewusste, tief in der Persönlichkeit wurzelnde psychische Prozesse, die sich nur langsam anpassen.

4/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 4/2020

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  • Quelle
Psychological Science 10.1177/0956797619894557, 2019