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Dünndarmspiegelung: Eine Kapsel geht auf Reisen



Bei Magenbeschwerden schluckt man – mühevoll – einen Schlauch, beim Verdacht auf Darmkrebs wird ein Koloskop in den Dickdarm geschoben. Seit vielen Jahren kann sich der Arzt über Kamerasysteme ein Bild dieser Organe machen. Durch den drei bis fünf Meter langen und gewundenen Dünndarm, zwischen Magen und Dickdarm gelegen, lässt sich aber kein Endoskop schieben. Bislang blieb hier nur das Röntgen – nach Kontrastmittelgabe stellen sich Wand und Schleimhaut indirekt dar. Diese Situation ist unbefriedigend, etwa bei Magenblutungen, deren Quelle nach endoskopischer Untersuchung weder im Magen noch im Dickdarm liegt.

Doch vor etwa fünf Jahren gelang es dem Ingenieur Gavriel Iddan und seinen Mitarbeitern vom israelischen Verteidigungsministerium, eine Kapsel zu entwickeln, die eine winzige Videokamera durch den Dünndarm zu transportieren vermag. Seit Herbst letzten Jahres ist sie in Deutschland zugelassen und wird derzeit unter anderem am Universitätsklinikum Mannheim getestet.

Die Kapsel hat etwa die Größe einer Tablette, lässt sich also gut schlucken. Die natürliche Darmperistaltik befördert sie durch ihr Einsatzgebiet. Ein Ende ist durchsichtig, und dahinter sitzt zusammen mit vier Blitzlichtern die Videokamera. In welche Richtung sie blickt, lässt sich freilich nicht beeinflussen, doch der Blickwinkel beträgt etwa 140 Grad. Zwei Batterien versorgen die Anlage mit ausreichend Strom, um sieben Stunden lang jeweils zwei ausgeleuchtete Bilder pro Sekunde aufzunehmen, zu kodieren und über eine Antenne mit 430 Megahertz zu versenden. Als Empfänger dienen Sensorfelder, die auf den Bauch des Patienten geklebt werden. Während der Untersuchung trägt der Patient einen Gürtel mit Batterien und einem Aufzeichnungsgerät.

Das Verfahren verursacht keinerlei Schmerzen und lässt sich auch ambulant durchführen. Lediglich die Stadtverwaltung könnte Beschwerde einlegen, denn die kleine Kapsel wird nur einmal verwendet und mit dem Stuhl ausgeschieden. Am Ende werden etwa 50000 Bilder mit einer Auflösung von 0,1 Millimeter auf einen Computer übertragen und zu einem Film verarbeitet. Nach etwa 15 Minuten steht die Innenansicht des Dünndarms schließlich dem Arzt zur Ver-fügung.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2002, Seite 96
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
7 / 2002

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 7 / 2002

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