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Transplantationsmedizin: Einfallstor für Schweineviren



Wegen fehlender Spenderorgane sterben allein in den USA durchschnittlich 16 Menschen am Tag. In Zukunft sollen Leber, Niere und Herz gentechnisch »vermenschlichter« Schweine den Mangel beheben. Neben dem Abstoßungsproblem birgt die Xenotransplantation aber ein weiteres unkalkulierbares Risiko: Im Erbgut der Schweine verborgene Viren, die für die Tiere harmlos sind, könnten beim Menschen schwere Erkrankungen hervorrufen. In Zellkulturen ließ sich bereits ein Befall durch ein Retrovirus aus dem Schweine-Genom (PERV) nachweisen. Bei der teils schon praktizierten Nierendialyse mit Schweinezellen ist zwar bisher noch kein Virusbefall aufgetreten. Bevor lebende Gewebe vom Tier auf den Menschen transplantiert werden dürfen, muss das Risiko jedoch genau einschätzbar sein. Nun wurden zwei Rezeptor-Moleküle identifiziert, die PERVs Zugang in menschliche Zellen gewähren. Das eröffnet die Möglichkeit, den Virusbefall und seine Auswirkungen am Mäusemodell genau zu untersuchen. Dazu muss man die Nager gentechnisch so verändern, dass sie die beiden menschlichen Rezeptor-Moleküle produzieren, und dann Schweinegewebe auf sie übertragen. (PNAS, 27.5.2003, S. 6759)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 8 / 2003, Seite 47
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
8 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 8 / 2003

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