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Geistesblitze: Eins für dich, eins für mich

Wie schnell Kinder ein Gespür für Fairness entwickeln, hängt davon ab, in welcher Kultur sie aufwachsen. Darauf deutet eine Untersuchung von Wissenschaftlern um Peter Blake von der Boston University hin. Die Forscher testeten bei mehr als 860 Kindern und Jugendlichen zwischen 4 und 15 Jahren, wie diese sich verhielten, wenn sie entweder benachteiligt oder bevorzugt behandelt wurden. Dazu ließen sie Probanden aus Kanada, Indien, Mexiko, Peru, Uganda, dem Senegal und den USA paarweise ein Spiel spielen. Ein Kind bekam dabei jeweils zwei Belohnungen in Form von Süßigkeiten für sich und seinen Partner vorgesetzt und durfte ent­scheiden, ob es die Belohnungen annehmen oder ablehnen wollte – in letzterem Fall gingen dann beide Parteien leer aus. In manchen Runden konnte der Versuchspartner mehr Naschereien abstauben, bei anderen der Proband selbst.

Kinder und Jugendliche aus allen Nationen ver­zichteten regelmäßig auf kleinere Belohnungen, um auf diese Weise ihrem Partner einen größeren Berg an Süßigkeiten vorzuenthalten. Während Kinder aus den USA und Kanada bereits mit vier bis sechs Jahren begannen, ungerechte Angebote auszuschlagen, taten dies Probanden aus einem kleinen Mayadorf in Mexiko im Schnitt erst mit zehn Jahren.

Neben diesem Altersunterschied fanden die Wis­senschaftler aber noch einen grundsätzlichen: Kinder aus Kanada, den USA und Uganda tolerierten auch keine Ungerechtigkeit zu ihren eigenen Gunsten. Sie verzichteten also ebenso auf Belohnungen, wenn sie dabei mehr Süßigkeiten als ihr Partner bekommen sollten.

Die Forscher glauben, dass die Ergebnisse unter anderem mit dem Erziehungsstil zusammenhängen: So seien Eltern aus westlichen Industrienationen dafür bekannt, Unabhängigkeit und Autonomie besonders zu fördern. Deshalb bemühe sich ihr Nachwuchs auch früh, bei anderen einen guten Eindruck zu hinterlassen und auf eine gerechte Verteilung für alle zu pochen.

Die Schlussfolgerung, Menschen aus Kanada und den USA seien besonders fair, lässt sich aus den Ergebnissen der Studie allerdings nicht ableiten. Beispielsweise könnte es sein, dass auch jene Kinder, die sich an der eigenen Bevorzugung zunächst nicht störten, ihre Einstellung im weiteren Verlauf ihrer Jugend noch einmal ändern. (dz)

Nature 10.1038/nature15703, 2015

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