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REPRODUKTION: Eizellen aus der Petrischale

Japanische Forscher haben fruchtbare Eizellen von Mäusen komplett in der Petrischale hergestellt. Dabei ist es ihnen erstmals gelungen, so genannte Urkeimzellen (Vorläufer von Eizellen und Spermien) außerhalb des Organismus zu Eizellen reifen zu lassen.

Katsuhiko Hayashi von der Kyushu University (Japan) und seine Kollegen entnahmen zunächst Bindegewebszellen aus den Schwanzspitzen von Mäusen und wandelten sie in induzierte pluripotente Stammzellen (iPSC) um, die sich in jeden Zelltyp des Organismus ausdifferenzieren können. Die iPSC wiederum programmierten sie zu "urkeimzellähnlichen" Zellen um. Es war schon zuvor möglich gewesen, diese kontrolliert zu Eizellen heranreifen zu lassen. Allerdings mussten die Urkeimzellen hierfür in Eierstöcke von Mäusen verpflanzt werden.

Hayashi und seine Kollegen sind darauf nicht mehr angewiesen; sie führen den gesamten Prozess außerhalb des Organismus durch. Das gelingt ihnen, indem sie die urkeimzellähnlichen Zellen zusammen mit Eierstockzellen kultivieren, die sie zuvor weiblichen Mäusen entnommen haben. Dadurch imitieren sie die Bedingungen während der natürlichen Eizellreifung. Diese Methode bringt funktionsfähige Eizellen hervor, wie deren anschließende künstliche Befruchtung beweist: Aus etwa drei Prozent der Zellen entsteht dabei lebensfähiger Nachwuchs. Kürzlich war es einer anderen Arbeitsgruppe bereits gelungen, künstliche Mäusespermien zu züchten.

In wieweit sich die Methode auf den Menschen übertragen lässt, ist noch offen. Eizellen aus Bindegewebszellen von Erwachsenen zu produzieren, könnte die Reproduktionsmedizin revolutionieren.

Dezember 2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Dezember 2016

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