Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten von Gehirn&Geist frei zugänglich.

Alkohol und Gewalt: Entfesselnder Schluck

Alkohol enthemmt und macht aggressiv - doch längst nicht jeden. Dass manche Betrunkene gewalttätig werden, während sich andere im Rausch verunsichert zurückziehen, könnte am jeweiligen Zusammenspiel der Hirnbotenstoffe liegen.
Fass mich nicht an!

Berlin, U-Bahnhof Friedrichstraße: In der Nacht zum Ostersamstag 2011 schlägt der 18-jährige Gymnasiast Thorben P. einen Mann mit einer Flasche nieder. Dann tritt er mehrfach mit dem Fuß gegen den Kopf des reglos am Boden liegenden Handwerkers. Das Opfer erleidet ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Nasenbeinbruch und Prellungen – eine Tat, die auf das Konto übermäßigen Alkoholkonsums geht. So zumindest entschied das Landgericht Berlin und ging von einer verminderten Schuldfähigkeit des Schlägers aus.
Die hinzugezogene Gutachterin gab an, es sei "nicht vollkommen auszuschließen, dass die Steuerungsfähigkeit beim Angeklagten zur Tatzeit durch Alkohol erheblich vermindert gewesen sein könnte". Zwar lag keine Blutprobe des Schülers vor, doch das Überwachungsvideo schien zu beweisen, dass der Angreifer durch den Alkohol in seinem Verhalten "deutlich enthemmt war". Letztlich wurde der Schüler wegen versuchten Totschlags zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.
Alkohol macht von allen bewusstseinsverändernden Substanzen am ehesten aggressiv, so eine Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Epidemiologische Studien belegen, dass extreme Trunkenheit bei etwa der Hälfte aller Gewaltverbrechen und sexuellen Übergriffe eine entscheidende Rolle spielt …

Juni 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Juni 2012

Kennen Sie schon …

Forensik - Spuren in Knochen und Blut

Spektrum Kompakt – Forensik - Spuren in Knochen und Blut

Bei unbekannter Todesursache und -zeitpunkt liefern DNA, Mikroben sowie chemische und physikalische Spuren in und um den Leichnam Hinweise, die Forensiker auswerten, um die letzen Stunden des Verstorbenen zu rekonstruieren - und so auch Straftaten aufzuklären.

38/2018

Spektrum - Die Woche – 38/2018

In dieser Ausgabe widmen wir uns dem Sommer, dem Altern und Mücken.

Gesund essen - Ein medizinischer Blick auf den Teller

Spektrum Kompakt – Gesund essen - Ein medizinischer Blick auf den Teller

Viele Menschen achten sehr bewusst darauf, wie sie sich ernähren und woher ihre Lebensmittel stammen. Doch wie gesund sind Clean Eating, Vitaminpillen und die Mittelmeerdiät wirklich? Und wie steht es um den Ruf von Alkohol oder auch Convenience Food?

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Brunner, H. G. et al.: Abnormal Behavior Associated with a Point Mutation in the Structural Gene for Monoamine Oxidase A. In: Science 262, S. 578-580, 1993

Chiavegatto, S. et al.: Individual Vulnerability to Esca­lated Aggressive Behavior by a Low Dose of Alcohol: De­creased Serotonin Receptor mRNA in the Prefrontal Cortex of Male Mice. In: Genes, Brain and Behavior 9, S. 110-119, 2010

Coccaro, E. F. et al.: Amygdala and Orbitofrontal Reactivity to Social Threat in Individuals with Impulsive Aggression. In: Biological Psychiatry 62, S. 168-178, 2007

de Almeida, R. M. M. et al.: Escalated Aggressive Behavior: Dopamine, Serotonin and GABA. In: European Journal of Pharmacology 526, S. 51–64, 2005

Eisenberger, N. I. et al.: Understanding Genetic Risk for Aggression: Clues From the Brain's Response to Social Exclusion. In: Biological Psychiatry 61, S. 1100-1108, 2007

Faccidomo, S. et al.: Escalated Aggression after Alcohol Drinking in Male Mice: Dorsal Raphé and Prefrontal Cortex Serotonin and 5-HT1B Receptors. In: Neuropsychopharmacology 33, S. 2888–2899, 2008

George, D. T. et al.: Fluoxetine Treatment of Alcoholic Perpetrators of Domestic Violence: A 12-Week, Double-Blind, Randomized, Placebo-Controlled Intervention Study. In: Journal of Clinical Psychiatry 72, S. 60-65, 2011

Heinz, A. et al.: In Vivo Association Between Alcohol Intoxication, Aggression, and Serotonin Transporter Availability in Nonhuman Primates. In: American Journal of Psychiatry 155, S. 1023-1028, 1998

Heinz, A. et al.: Serotonergic Dysfunction, Negative Mood States, and Response to Alcohol. In: Alcoholism: Clinical And Experimental Research 25, S. 487-495, 2001

Heinz, A. J. et al.: Cognitive and Neurobiological Mechanisms of Alcohol-Related Aggression. In: Nature Reviews Neuroscience 12, S. 400-413, 2011

Hinckers, A. S. et al.: Low Level of Response to Alcohol as Associated with Serotonin Transporter Genotype and High Alcohol Intake in Adolescents. In: Biological Psychiatry 60, S. 282-287, 2006

Lee, T. M. C. et al.: Strong Limbic and Weak Frontal Activation to Aggressive Stimuli in Spouse Abusers. In: Molecular Psychiatry 13, S. 655-660, 2008