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Erforschung und Erhalt von Maya-Städten im Petén

Die urbanen Siedlungen im Urwald des nördlichen Guatemala, von denen manche bis in die Zeit der Konquisadoren dicht bevölkert waren, werden mit deutscher Unterstützung vor dem endgültigen Verfall gerettet.

Auf einem Feldzug in das südliche Mittelamerika gelangte Hernán Cortés (1485 bis 1547), der Eroberer des Aztekenreiches, 1525 auch in das Kernland der rätselhaften Maya-Hochkultur, das sich über das Regenwald-Tiefland des Petén im Norden Guatemalas und die angrenzenden Gebiete erstreckte. In seinen Briefen an Kaiser Karl V. berichtete er von der damaligen Hauptstadt der Maya-Itzá Tayasal, die gut geschützt auf einer Insel in einem See gelegen war. Deren Eroberung gelang den Spaniern denn auch erst 1697; sie haben diese letzte Maya-Festung dabei gänzlich zerstört. An der Stelle der wohl bekanntesten Inselstadt der Itzá – einer von der mexikanischen Golfküste stammenden Maya-Gruppe, die um 1200 von Yucatán her in das Gebiet gekommen war – steht nun die Hauptstadt Flores des Departements Petén (Bild 2).

Eine andere noch im 15. Jahrhundert dicht bevölkerte Insel-Residenz aber hatten die Spanier nicht entdeckt: das etwa 50 Kilometer östlich gelegene Topoxté im See von Yaxhá. Erst 1831 fand und beschrieb der damalige Gouverneur Juan Galindo den Ort, den seine Bewohner seit dem 16. Jahrhundert verlassen hatten und den dann Urwald zurückeroberte.

Diese vergleichsweise kleine Stadt florierte lange nach dem Niedergang der sogenannten klassischen Periode zwischen 300 und 900 nach Christus, als offenbar viele der großen Maya-Zentren aufgegeben wurden. Das bezeugen auch Photographien des badischen Architekten Teobert Maler (1842 bis 1917), der im österreichischen Expeditionscorps des Kaisers von Mexiko Maximilian (1832 bis 1867) als Offizier gedient hatte: Im Jahre 1904, als er – inzwischen Mitarbeiter des Peabody-Museums für Archäologie und Ethnologie in Cambridge (Massachusetts) – die Aufnahmen machte, waren die Pyramidenbauten noch gut erhalten (Bild 3). Heute sind diese Bilder schon deshalb unersetzlich, weil der Zustand der Monumente sich seitdem katastrophal verschlechtert hat.

Zwar unternahmen Forscher aus den USA dort mehrfach archäologische Sondagen, aber eine wissenschaftliche Gesamtaufnahme des Areals unterblieb. Praktisch in letzter Minute gelang es jetzt, diese einzigen noch zu größeren Teilen stehenden Anlagen einer Maya-Stadt aus der Spätzeit vor dem unmittelbar drohenden Verfall zu bewahren.

Ohne umfangreiche finanzielle und fachliche Hilfe aus der Bundesrepublik wäre dies nicht möglich gewesen. Die Rettung und systematische Erforschung von Topoxté waren aber nur die erste Unternehmung eines weit größer angelegten guatemaltekisch-deutschen Entwicklungsprojektes im zentralen Petén, das insbesondere auch darauf abzielt, der Bevölkerung unter denkmalpflegerischen wie ökologischen Gesichtspunkten eine Erwerbs- und Lebensgrundlage zu geben (Spektrum der Wissenschaft, März 1996, Seite 106). Dabei dürfte sich besser als bisher erschließen lassen, wie die Maya während der Spätphase ihrer noch nicht von Europäern beeinflußten Kultur, als die Bevölkerung der gesamten Region rund zwei Millionen betragen haben dürfte, inmitten des schwer zu bewirtschaftenden, sehr sumpfigen tropischen Regenwaldes etwa 200 Menschen pro Quadratkilometer ernährten (in Deutschland einschließlich der neuen Bundesländer sind es auch nur 226).


Topoxté – eine schwimmende Festung

Gemeinhin ist wenig bekannt, daß auch nach dem Ende der klassischen Periode Gebiete besiedelt blieben, wo schon in den Jahrhunderten vor der Zeitenwende die Entwicklung zur Maya-Hochkultur mit ihren singulären Schrift- und Kalendersystemen, der Erfindung des sonst in Mesoamerika unbekannten Gewölbebaus und den eindrucksvollen Tempeln auf massiven, hohen Pyramidenkörpern als Mittelpunkten großer, teils sogar riesiger urbaner Siedlungen begonnen hatte. Viele dieser Zentren scheinen sich um 900 unserer Zeitrechnung relativ stark entvölkert zu haben wie die Metropole Tikal, oder sie waren vielleicht nur noch von bäuerlicher Bevölkerung bewohnt; doch blieb der Urwaldbereich des Petén bewirtschaftet, und in den zahlreichen Seen des karstigen Geländes wurden auf gut zu verteidigenden Inseln stadtartige Komplexe errichtet. Da die meisten nun in Ruinen liegen, kann in vielem nur noch Topoxté ein Bild vom einstigen Charakter dieser Städte der Spätzeit vermitteln – als einzige ist sie architektonisch fast komplett erhalten, und die wichtigsten Großbauten stehen noch.

Die Rettung der Festung im See war ein Wettlauf mit der Zeit, in dem Falle insbesondere mit den Regenzeiten (Bild 3 unten rechts). In Jahrhunderten haben Feuchtigkeit und tropische Vegetation die Mauern aus Stein und Kalkmörtel mürbe gemacht und auseinandergetrieben, und die tiefen Tunnel von Raubgrabungen taten ein übriges.

Sogar frühere archäologische Unternehmungen haben den Monumenten oft beträchtlich zugesetzt, wie allzu oft in Mesoamerika; bedenkenlos hat man auf der Suche nach Begräbnissen Schächte und Stichgräben angelegt und meist nicht einmal wieder zugeschüttet. Im Jahre 1990 waren große Teile der Hauptpyramide von Topoxté schon eingestürzt, und die Wände des Hochtempels auf der Plattform drohten abzurutschen.

Notdürftig ließ das Instituto de Antropología e Historia (IDAEH), die archäologische Denkmalbehörde Guatemalas, die unmittelbar einsturzgefährdeten Bauten sichern – mit einfachsten Mitteln wie improvisierten Palmblattdächern als Regenschutz und hölzernen Stützgerüsten, zusammengehalten von Lianen (Bild 4 rechts). In der akuten Bedrängnis kam bei langen Verhandlungen mit deutschen Institutionen die Idee auf, gemeinsam mit dem Deutschen Archäologischen Institut (dessen Zentrale in Berlin ist) und seiner Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie (KAVA) in Bonn ein Pilotprojekt auszuarbeiten, in dem Maya-Ruinen des zentralen Petén systematisch dokumentiert, archäologisch erforscht und dauerhaft konserviert werden sollten.

Mit Topoxté den Anfang zu machen war doppelt günstig: Nicht nur, daß dort die letzten nachklassischen Großbauten des Tieflands erhalten sind – das Areal der nur etwa 400 mal 500 Meter großen Insel ist auch überschaubar.

Wir setzten uns drei Ziele: einen Gesamtplan des städtischen Komplexes mitsamt allen dicht überwucherten Bauten zu erstellen, was bei früheren wissenschaftlichen Unternehmungen nie geschehen war, die Abfolge der Besiedlungsschichten durch Tiefsondagen zu klären und die architektonischen Denkmäler – soweit sie noch standen – vor weiterem Verfall zu bewahren. Unter Federführung des IDAEH sind die beiden ersten Vorhaben inzwischen fast abgeschlossen, und das dritte ist weit fortgeschritten.

Für die Vermessungen wurden in Schwerarbeit in die dichte Vegetation Schneisen geschlagen und das Unterholz gelichtet. Der Gesamtplan zeigt nun alle Bauten der noch bis ins 15. Jahrhundert von Bewohnern wimmelnden Inselstadt (Bild 5). An höchster Stelle standen Tempelpyramiden um einen langgestreckten Platz, der mit Altären und steinernen Stelen besetzt war, auf denen die Maya historische Ereignisse dokumentierten. Im näheren Umkreis des kultischen Zentrums befanden sich die Wohnquartiere einer Elitebevölkerung und zahlreiche Versammlungsgebäude mit gemauerten Pfeilern. Vom erhöhten Zentrum aus fiel die Stadt schließlich rundum in etlichen dicht bebauten Terrassen bis zum Steilufer ab. Stellt man sich nun noch die Stuckverzierungen und den Verputz aus Löschkalk vor, mit dem die Maya Gebäude und Plätze zu verkleiden pflegten, war Topoxté eine weiß leuchtende, über die Klippen uneinnehmbare Festung über dem Wasser.

Die Tiefsondagen haben über frühere und früheste Phasen der Stadtgeschichte einigen Aufschluß erbracht. Ein für archäologische Forschungen glücklicher Umstand ist, daß die Maya seit je neue kultische Monumente und Gebäude über vorhandenen errichteten, wobei sie die alten Tempel oft unversehrt ließen und nur sorgsam verschütteten. So entstanden immer höhere und größere Pyramiden, die – wie die russischen ineinandersteckenden Holzpuppen – ihre älteren und kleineren Vorgängerbauten in ihrem Innern bergen. Auch die stuckierten Plätze wurden derart immer mehr erhöht und mit neuem Stuckpflaster ausgestattet – die Kulturabfolge ist so gewissermaßen in den einzelnen Ebenen fixiert.

Wie sich zeigte, war die Insel vor der Aufgabe der Stadt fast 2000 Jahre lang kontinuierlich ein Kultzentrum. Die frühesten Tempeltreppen im Untergrund lassen sich durch deponierte Keramikgefäße bis ins 3. Jahrhundert vor Christus datieren. Ein besonderer Glücksfall war die Entdeckung unterirdischer Kulthöhlen der Frühzeit, eines komplizierten Systems von Grotten, die man in den weichen Kalkstein geschlagen hatte (Bild 6 rechts). Das dürften die Vorläufer der Pyramidenbauten gewesen sein, die offenbar später darüber errichtet wurden. Die reichen Opfergaben – vor allem Keramikgefäße – liefern neue Erkenntnisse über die Anfänge des Totenkultes (Bild 6 links).

Und die Denkmalpflege? Bei den Erhaltungsmaßnahmen ist das Stadium der ersten Nothilfe mittlerweile abgeschlossen. Nachdem die Bauten und ihre Schäden dokumentiert sind, wird jetzt daran gearbeitet, die einsturzbedrohten Ruinen dauerhaft zu erhalten. Abrutschende Umfassungsmauern wurden gefestigt, Raubgräberlöcher aufgefüllt, durchwaschene Mauerkronen mit Kalkmörtel konsolidiert. Bewußt werden schon verlorene Architekturteile nicht wieder rekonstruiert; der Bestand soll, soweit er noch erhalten ist, lediglich konserviert werden.

Die Zusammenarbeit der beiden beteiligten Institutionen unter den schwierigen organisatorischen Bedingungen eines archäologischen Projekts im tropischen Regenwald hat sich bisher recht günstig entwickelt. Jede Seite trägt das bei, worüber sie besonders verfügt: Das IDAEH stellt die Grabungsarbeiter, Techniker, Restaurierungsspezialisten, Archäologen und Architekten; zudem unterhält es am Seeufer ein logistisches Basislager und sorgt für die kontinuierliche Bewachung der Ruinen; die KAVA leistet professionelle Beratung, Spezialdienste wie naturwissenschaftliche Analysen und bildet Vermessungspersonal aus; außerdem finanziert die deutsche Seite Kleinausgaben, Geräte und Ausrüstungsgegenstände, die vom schmalen guatemaltekischen Budget nicht gedeckt werden. Vor allem auf der Basis kollegialen Vertrauens und freundschaftlicher Kooperation wirkt dieses bilaterale Forschungsunternehmen beispielhaft für gleichberechtigte internationale Zusammenarbeit in der Archäologie bis hin zu der gemeinsamen Veröffentlichung der ersten Ergebnisse.


Denkmalpflege als Entwicklungshilfe

Das Projekt Topoxté ist, wie erwähnt, in eine weit größere Planung eingebunden, die auf die Regionalentwicklung des Petén abzielt. Das riesige, kaum erschlossene Gebiet hat fast unlösbare Probleme: Durch auf Dauer nutzlose Brandrodung gehen dort jährlich 60000 Hektar Regenwald verloren, verursacht durch das hohe Bevölkerungswachstum und ein planloses Siedlungswesen; sonstiger ökologischer Raubbau, Rauschgiftanbau und Guerilla-Aktivitäten verschärfen die Schwierigkeiten noch.

In dieser Situation versucht die deutsche Bundesregierung über das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) langfristig wirksame Hilfe zu leisten. Es geht darum, den Regenwald zu erhalten und zugleich sinnvoll zu nutzen, sowie – eingebunden in dieses Konzept – die wichtigsten Ruinenplätze der Maya-Kultur zu dokumentieren, zu sanieren und zu konservieren. Das Denkmalpflege-Projekt, bei dem Topoxté den Anfang machte, wird mit einem deutschen Kredit von mehreren Millionen Mark unterstützt; die finanzielle Abwicklung besorgt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), und die fachliche wissenschaftliche Beratung leistet die KAVA. Zum ersten Mal werden damit deutsche Entwicklungshilfegelder in diesem Umfang für ein Unternehmen zur Erhaltung von Kulturdenkmälern eingesetzt.

Dieses Archäologieprojekt namens Triángulo Cultural (kulturelles Dreieck) umfaßt ein Urwaldareal von etwa 1200 Quadratkilometern. Darin liegen die Ruinen der drei großen Städte Yaxhá, Nakúm und Naranjo, deren Blütezeit in die spätklassische Periode fällt, sowie eine Vielzahl kleinerer Maya-Siedlungen, von denen viele bisher noch gänzlich unerforscht sind. Die guatemaltekische Regierung stellt diese Fläche nun unter Schutz – als archäologische Zone und Naturpark (Bild 2). Sie schließt an das bereits bestehende 24 mal 24 Kilometer große Reservat mit der Ruinenstadt Tikal an und soll wie ein Sperriegel, eine Art Cordon sanitaire, die von Süden fortschreitende Brandrodung auffangen und so die weiter im Norden liegenden noch intakten Urwaldgebiete schützen.

Die Feldarbeiten begannen im Jahre 1994. Das Dringendste war, zunächst die umfangreiche Ausrüstung zu beschaffen und in ein Gelände zu verfrachten, das praktisch keine Infrastruktur hat. Vorallem benötigten wir geländegängige Transportfahrzeuge und große Mengen von Stahlgerüsten. Auch ein archäologisches Basislager mit Personalunterkünften, Werkstätten und Depots mußte errichtet werden.

Trotz der kurzen Zeit lassen sich erste Ergebnisse vorweisen. In Yaxhá, das hoch über dem gleichnamigen See liegt, hat die Vermessung der weit ausgedehnten Stadt am nördlichen Ufer begonnen. Zuerst mußte die an höchster Stelle errichtete Hauptpyramide geschützt werden, deren Tempel über die Urwaldriesen hinausragt; auch dieser war abrutschgefährdet. Zunächst hielten ihn Gerüste und Abstützungen (Bild 1 und Bild 4 links); dann wurden die geborstenen Mauern mit Zugankern stabilisiert, die (unechten) Gewölbe – in ihrer Art eine Besonderheit der Maya-Kultur – mit Kalkmörtel wieder standsicher gemauert und die Wände regenfest ausgefugt.

Sondagen im Fußboden erwiesen, daß unter dem jüngsten, spätklassischen Tempel ein vorzüglich erhaltener Vorgängerbau liegt. Bemerkenswert sind außerdem unversehrte reiche Opferdepots von prachtvollen Tongefäßen und Figurinen mit Muschel- und Jademosaik. Aber auch der letzte Tempel selbst barg Überraschungen: In die stuckverputzten Wände sind Graffiti mit szenischen Darstellungen eingeritzt.

Die kleinere vormalige Königsresidenz Nakúm besticht unter anderem durch die einstigen Herrscherpaläste auf gewaltigen, künstlich aufgehäuften Plattformen. In dieser Stadt wird vor allem die aufgehende Architektur komplett vermessen, soweit die Monumente noch stehen, und mit tiefen Sondierungen die Bebauungsabfolge ermittelt.

Die denkmalpflegerischen Arbeiten sind in Nakúm besonders aufwendig. Zum Beispiel mußte die Hauptpyramide in voller Höhe mit Stahlgerüsten umfangen und gestützt werden, ehe die Risse im Pyramidenkörper und die gänzlich zermürbten Tempelmauern saniert werden konnten.


Lernen aus der Vergangenheit

Noch weniger als über die urbanen Zentren ist über ihr Umland und die weiten Gebiete fern der großen Städte bekannt. Hier lagen, wie erst in den letzten Jahrzehnten deutlich wurde, auch intensiv bewirtschaftete Hochäcker in Feuchtauen, terrassierte Felder in Hügellandschaften sowie Plantagen und Gärten, ohne die eine so zahlreiche Bevölkerung nicht zu ernähren gewesen wäre – heute kann man das angesichts des unwirtlichen, fast undurchdringlichen tropischen Waldes kaum mehr nachvollziehen. Unter welchen Voraussetzungen wurden die Maya dort seßhaft?

Für die archäologische Feldforschung, einen sogenannten Oberflächen-Survey, werden in unserem Projekt in die dichte Vegetation mühsam kilometerlange, schnurgerade Schneisen freigeschlagen, vermessen und markiert. In kurzen Abständen dringt man dann im rechten Winkel dazu beidseits in den Urwald vor und erfaßt so quer durch das Gelände ein 500 Meter breites Band. Alle aufgespürten Funde und Baureste werden dokumentiert und kartiert.

Die Begehung erbrachte bislang eine erstaunliche Fülle kleinerer Siedlungen, von denen inzwischen 13 untersucht und vermessen worden sind. Die Variationsbreite der städtebaulichen Gestaltung jener Zeit im ländlichen Raum erstaunt. Sechs der Orte weisen noch aufrecht stehende Monumentalarchitektur auf, obgleich ihr Klima und Vegetation stark zugesetzt haben; doch auch hier gehen die schwersten Schäden wiederum auf Tunnel und Tiefgräben von Schatzsuchern zurück.

Nachdem die Löcher und Stollen aufgefüllt sind, was eine mühsame Arbeit ist, und die Bauschäden soweit möglich behoben sind, müssen die Stätten regelmäßig von Mitarbeitern des IDAEH auf illegale Zugriffe kontrolliert werden. Durchgehend bewachen kann man nur die großen Ruinenplätze; doch sollen nun die Bewohner der heutigen Siedlungen in der jeweiligen Nachbarschaft für das Projekt gewonnen werden: Derzeit werden sie vorrangig bei Rettungsarbeiten in Lohn gesetzt; und da sie auch Einkünfte aus einem sanften Tourismus erwarten können, dürften sie mehr und mehr am Schutz der Maya-Ruinen interessiert sein.

Ob die Methoden der Nahrungsgewinnung in spätklassischer Zeit der jetzigen Bevölkerung – insbesondere auch unter ökologischen Gesichtspunkten – von Nutzen sein könnten ist eine andere Frage. Die Maya haben früher gerodete Feuchtgebiete drainiert und trockenes Land künstlich bewässert. Bodenkundliche Untersuchungen und Pollenanalysen sollen klären, welche Pflanzen sie anbauten und wie sie sie kultivierten.

Den einst dicht besiedelten Lebensraum im Petén-Tiefland in seiner Gesamtheit besser zu verstehen und dieses bedrohte Areal einer frühen Hochkultur als historisches Monument und Naturschutzpark im ganzen zu erhalten suchen wäre auch eine Art Wiedergutmachung an den heutigen Mayas. Guatemalas ureigene Geschichte ist wie die seiner Nachbarländer infolge der Entdeckung der für Europa neuen Welt (Christoph Kolumbus segelte auf seiner vierten Reise von 1502 bis 1504 erstmals die mittelamerikanische Küste zwischen Honduras und Panama entlang) und durch die spanische Kolonisierung jäh in eine völlig andere Richtung gezwungen worden. So hat eine deutsche Beteiligung an der Erforschung ihrer kulturellen Wurzeln und der Erhaltung ihrer Überreste besondere Bedeutung für die einheimische Bevölkerung. Es müssen nicht immer technologische Großprojekte wie Industrieanlagen, Kraftwerke oder Staudämme sein, die von deutschen Entwicklungsgeldern finanziert werden; auch ein Beitrag zur Bewahrung des Kulturerbes ist wichtig.

Literaturhinweise

- Erforschung und Erhaltung von Maya-Städten im zentralen Petén Guatemalas. Aktueller Stand des archäologischen Regionalprojektes "Triangulo Cultural Yaxhá-Nakum-Naranjo". Von Wolfgang W. Wurster in: AVA-Beiträge, Band 15, 1995, Seiten 203 bis 227.

– Maya-Architektur auf der Insel Topoxté im See von Yaxhá, Petén, Guatemala. Von W. W. Wurster in: AVA-Beiträge, Band 12, 1992, Seiten 261 bis 302.

– Maya-Ruinen im Urwald Guatemalas. Von Wolfgang W. Wurster in: Archäologie in Deutschland, Band 10, Heft 3, 1993, Seiten 10 bis 15.

– La secuencia cerámica de Topoxté, un informe preliminar. Von Bernard Hermes Cifuentes in: AVA-Beiträge, Band 13, 1993, Seiten 221 bis 252.

– La pirámide C en la isla Topoxté, Petén, Guatemala, trabajos de conservación. Von Raul Noriega Girón, AVA-Beiträge, Band 15, 1995, Seiten 203 bis 227.

– Die Maya. Geschichte, Kultur, Religion. Von Berthold Riese. Beck, 1995.

– Die Ruinenstädte der Maya. Time Life, 1993.

– Die unbekannte Welt der Maya. Das Geheimnis ihrer Kultur entschlüsselt. Von Linda Schele und David Freidel. Bechtermünz, 1994.

– Die Welt der Maya. Archäologische Schätze aus drei Jahrtausenden. Herausgegeben von Eva und Arne Eggebrecht. Zabern, 1992.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 12 / 1996, Seite 92
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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