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Editorial: Ersatzorgane und Stammzellen



Kürzlich, auf einer Veranstaltung über Transplantationsmedizin in Berlin, berichteten Experten vom alarmierenden Zustand der Organversorgung im Lande. Jährlich werden Zehntausende von Organen transplantiert, in Deutschland etwa 2500 Nieren, 700 Lebern, knapp 200 Bauchspeicheldrüsen und über hundert Lungen. Auch werden pro Jahr rund 500 Herzen übertragen – eine Therapie, die 1967 Christiaan Barnard (er starb im letzten September) in Kapstadt erstmals an einem Menschen erprobt hatte.

Jedoch steht einer steigenden Zahl wartender Empfänger eine eher stagnierende Zahl von Spendern gegenüber. Derzeit hoffen in Deutschland etwa 14000 Kranke auf ein Spenderorgan – oft vergebens. Der "Tod auf der Warteliste", wie es Mediziner ausdrücken, ist traurige Realität.

Das Problem des Organmangels wird bleiben, so lange die Akzeptanz der Organspende in der Bevölkerung nicht steigt. Bedenken, dass etwa Unfallopfer als potenzielle Organspender voreilig für tot erklärt würden, weil Chirurgen ja nur schnell an ein Organ herankommen wollten, scheinen auch heute nicht gänzlich ausgeräumt. Ich gebe zu, dass ich erst seit dieser Veranstaltung einen Organspenderausweis bei mir führe.

Ob Organübertragungen von Mensch zu Mensch oder auch von Tier zu Mensch für alle Zeiten die beste aller Lösungen darstellen werden, ist fraglich. Von großer Bedeutung sind daher nichtbiologische Ersatzteile als Implantate oder Prothesen. Seit einiger Zeit beginnen Forscher aber auch zu hoffen, dass sie mit Hilfe von Stammzellen Gewebe beschädigter Organe nachzüchten können.

Positivmeldungen dazu gab es etwa im letzten Herbst. Es sei, so behaupteten einige Jubelmeldungen ("Es geht doch!"), der Herzinfarkt eines Mannes erfolgreich mit Stammzellen aus seinem Knochenmark behandelt worden. Offen blieb jedoch, ob die Besserung wirklich etwas mit den transplantierten Stammzellen zu tun hatte.

Die Züchtung künstlicher Gewebe aus Stammzellen ist im Moment noch Vision. Klinische Realität ist dagegen schon die Züchtung von Haut sowie kleiner Knorpel- und Knochenstücke aus Zellen von Patienten. An komplizierteren Geweben wie Bauchspeicheldrüse oder Leber wird gearbeitet.

Dass die Herstellung von künstlichem Lebergewebe noch am Anfang steht, zeigt Eric Gottwald vom Forschungszentrum Karlsruhe in seinem Beitrag auf Seite 44. Von einer "künstlichen Leber" will der Biologe noch lange nicht reden: "Bis dahin dauert es noch mindestens zwanzig Jahre."

Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 2002, Seite 3
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 2002

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 2002

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