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Ägyptologie: Erste benutzte Prothese



Den erstaunlich hohen Stand der Medizintechnik im alten Ägypten belegt die jüngst in der Nekropole von Theben geborgene Mumie einer Frau, die vor rund 3000 Jahren im Alter von etwa 55 Jahren starb. Sie trägt eine perfekt geformte Prothese des großen Zehs aus Holz. Selbst der Nagel ist naturgetreu nachgebildet. Und mit zwei kleinen Holzplatten, Lederriemen und Schnüren wurde der Kunstzeh belastbar am rechten Fuß befestigt. Zwar sind Prothesen an ägyptischen Mumien nichts Neues. Aber in den bisher bekannten Fällen wurden sie Verstorbenen hinzugefügt, um sie für das Leben im Jenseits auszustatten. Die Ägypterin mit dem Kunstzeh litt dagegen an Arteriosklerose. Deshalb unterzog sie sich noch im Diesseits einem chirurgischen Eingriff und überlebte ihn offenbar auch. Jedenfalls war der Amputationsstumpf unter der Prothese gut verheilt. Und der Kunstzeh trägt eindeutige Gebrauchsspuren. Forscher um den Pathologen Andreas G. Nerlich von der Universität München halten ihn deshalb für die älteste bekannte Gliedmaßenprothese. Diesen Rang könnte ihm nur noch ein Zehenersatz im Britischen Museum streitig machen, der ebenfalls Verschleißerscheinungen aufweist, aber nicht datiert ist. (Lancet, Bd. 356, S. 2176)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 3 / 2001, Seite 27
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
3 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 3 / 2001

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