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Psychische Gesundheit : Erste Hilfe für die Seele

Wie kann ich einem Freund oder Familienmitglied helfen, dem es nicht gut zu gehen scheint? Viele sind unsicher und tun lieber nichts, um nichts falsch zu machen. Doch das ist ein Fehler. Das Programm »Mental Health First Aid« vermittelt Wissen und Fertigkeiten, um Betroffene unterstützen zu können.
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Mein Handy klingelt. Maxi ruft an. »Hey Maxi«, sage ich. Dann eine kurze Pause. »Wie geht es dir?« Ich (Philipp Himstedt) setze die Pause bewusst. Mir ist es wichtig, dass meine Frage bei ihm ankommt und nicht als Teil der Begrüßung untergeht. Denn ich mache mir Sorgen, ob alles in Ordnung ist. »Geht so«, antwortet er. Das habe ich erwartet. Und doch: Was soll ich jetzt sagen?

Wir sind seit vielen Jahren gute Freunde, und in den letzten Wochen, vielleicht sogar Monaten, hat Maxi öfter diese Antwort gegeben. Er kommt auch immer seltener zum Schwimmtraining. Und wenn, dann fehlt ihm häufig die Energie, um unser übliches Pensum zu bewältigen. Er erzählt von sich aus weniger, stößt kaum Gespräche an, seine Stimme wirkt monotoner, freud­loser. Er berichtet von Kopfschmerzen. Ich glaube, es geht ihm psychisch nicht gut. Und ich würde ihm gern helfen! Aber kann ich das überhaupt? Was soll ich denn sagen? Und wie kann ich ihn unterstützen?

Dieses Gefühl, dass sich eine nahestehende Person anders verhält und es ihr nicht gut geht, kennen wir wohl alle. Der Verdacht, sie leide unter einem psychischen Problem, ist leider oftmals begründet. Mehr als 40 Prozent der Deutschen erleben mindestens einmal im Leben eine behandlungsbedürftige psychische Störung. Damit kennen fast alle in ihrem Umfeld Menschen, die irgendwann einmal unter einer psychischen Erkrankung leiden: Familienmitglieder, Freunde, Kollegen. Viele möchten gerne helfen, sind jedoch unsicher, wie sie auf die Betroffenen zugehen und ihre Vermutung formulieren sollen und welche Form der Unterstützung am besten geeignet ist.

Komme ich an einen Unfallort, weiß ich sofort, was zu tun ist: die Unfallstelle sichern, den Notruf absetzen, gegebenenfalls beatmen und die Herzdruckmassage im Rhythmus von »Staying alive« beginnen. Ich weiß, wie ich eine blutende Wunde versorge, einen Defibrillator benutze oder eine Person mit der gold-silbernen Rettungsdecke vor Unterkühlung, Wind oder Nässe schütze. Aber wie schütze ich jemanden vor Isolation, Rückzug und Verzweiflung? Wie geht die stabile Seitenlage für die Seele? ...

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  • Quellen

Lasalvia, A. et al.: Global pattern of experienced and anticipated discrimination reported by people with major depressive disorder: A cross-sectional survey. The Lancet 381, 2013

Mack, S. et al.: Self‐reported utilization of mental health services in the adult German population – evidence for unmet needs? Results of the DEGS1‐Mental Health Module (DEGS1‐MH). International Journal of Methods in Psychiatric Research 23, 2014

Morgan, A. J. et al.: Systematic review and meta-analysis of Mental Health First Aid training: Effects on knowledge, stigma, and helping behaviour. PLOS ONE, 13, 2018