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Medizin: Erziehung zur Toleranz



Damit die Abwehrzellen unseres Immunsystems nicht versehentlich körpereigenes Gewebe angreifen, müssen sie sicher zwischen "fremd" und "selbst" unterscheiden können. Dazu lernen die wichtigsten von ihnen, die "T-Zellen", während ihrer Reifung in der Thymus-Drüse all jene Proteine zu ignorieren, die der Körper selbst herstellt. Die meisten dieser Eiweißstoffe gelangen über den Blutkreislauf in den Thymus – nicht aber diejenigen aus Organen wie dem Zentralnervensystem, das durch die Bluthirnschranke vom Kreislaufsystem getrennt ist. Wie T-Zellen auch diesen Proteinen gegenüber Toleranz lernen, haben Bruno Kyewski und sein Team am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg nun herausgefunden: Eine Gruppe von Thymuszellen produziert Eiweißstoffe, die in dieser Drüse sonst nicht vorkommen und eher für Organe wie das Zentralnervensystem typisch sind. "Der Thymus stellt weit gehend", so Kyewski, "ein Abbild der Proteinausstattung des gesamten Körpers dar." Dies ist wichtig für Krebsforscher, die das Immunsystem darauf trainieren möchten, Tumorzellen anzugreifen. Als "Scharfmacher" sollten sie nur solche Tumorproteine wählen, die nicht auch im Thymus nachweisbar sind. (Nature Immunology, Bd. 2, S. 1032)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 2002, Seite 26
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 2002

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 2002

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