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Falsche Erinnerungen: Das Trauma, das es nie gab

Manchmal legt eine Psychotherapie vergessene Traumata frei. Doch weil unser Gedächtnis kein exaktes Abbild des Geschehenen ist, können solche Erinnerungen trügen.

In den 1980er und 1990er Jahren berichteten ungewöhnlich viele erwachsene Patienten ihrem Therapeuten, in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden zu sein oder ein anderes Trauma erlitten zu haben. Nicht wenigen war nie zuvor bewusst gewesen, diese furchtbaren Erfahrungen gemacht zu haben. Psychologen folgerten, sie müssten die Erinnerungen vorübergehend verdrängt haben. In der Therapie waren häufig suggestive Techniken wie Hypnose oder Traumdeutung zum Einsatz gekommen, um die verschollenen Bilder hervorzuholen.

Doch bald darauf ließ eine Reihe von Experimenten Zweifel daran aufkommen, dass wiedergewonnene Erinnerungen immer auf wahren Begebenheiten fußen. In einer berühmten Studie befragte die Psychologin Eli­zabeth Loftus erwachsene Probanden zu Erinnerungen an vier Kindheitsereignisse. Eines hatte allerdings nie stattgefunden: Es ging darum, wie die Teilnehmenden im Alter von fünf Jahren vorübergehend verloren gegangen waren, zum Beispiel in einem Einkaufszentrum. Mit Hilfe suggestiver Fragetechniken brachte Loftus ein Viertel von ihnen dazu zu glauben, diese Erfahrung tatsächlich gemacht zu haben…

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  • Quellen

Brewin, C. R., Andrews, B.: Creating memories for false autobiographical events in childhood: A systematic review. Applied Cognitive Psychology 10.1002/acp.3220, 2016

Kurkela, K. A., Dennis, N. A.: Event-related fMRI studies of false memory: An activation likelihood estimation meta-analysis. Neuropsychologia 81, 2016

Wiemers, U. S. et al.: What we remember from a stressful episode. Psychoneuroendocrinology 38, 2013