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Botanik: Farbatlas Geschützte und gefährdete Pflanzen

Ulmer, Stuttgart 2001. 317 Seiten, € 24,90


Um Gestalt und Form einer Pflanze wirklich erfassen zu können», so Jean-Jacques Rousseau (1712-1788), »muss man sie unbedingt zuerst an ihrem Standort gesehen haben.« Herbarien, so führt der Philosoph und Schriftsteller in seinen berühmten »botanischen Lehrbriefen« weiter aus, sind zwar als »Gedächtnisstütze sehr dienlich«, aber nur für den, der die Pflanzen zuvor in »frischem Zustand« gesehen hat. Da ist ein Fotobildband weitaus besser als ein Herbarium, denn er fängt zumindest etwas von jener Frische der lebendigen Natur ein – zumal bei so hervorragenden Fotos wie denen von Helmut Baumann.

Über tausend heimische Farn- und Blütenpflanzen gehören zu den gefährdeten und geschützten Arten. Das ist mehr als ein Viertel aller in Deutschland vorkommenden Höheren Wildpflanzen. Der Apotheker und bekannte Pflanzenfotograf Helmut Baumann und der Botaniker Theo Müller haben in ihrem handlichen Buch eine Auswahl von 527 Pflanzen abgebildet und beschrieben. Die vollständige Artenliste wird in tabellarischer Übersicht präsentiert, unter Angabe von Gefährdungsgrad und Schutzstatus jeder Pflanze.

Die Autoren informieren in einem Einleitungskapitel zunächst über die historischen Anfänge des Naturschutzgedankens und klären über die gesetzlichen Grundlagen des botanischen Artenschutzes sowie die Gefährdungskategorien und -ursachen auf. Im Hauptteil werden die abgebildeten Pflanzen sodann durch kurze Texte zu den Stichworten »Biologie«, »Vorkommen« sowie »Gefährdung/Schutz« charakterisiert.

Insbesondere die präzisen Angaben über Gefährdung und Schutz sind für den Naturschützer vor Ort von großem Wert. Denn sie vertiefen das eigene Verständnis für ökologische Zusammenhänge und bieten Argumentationshilfen, um Menschen vom Naturschutz im konkreten Fall zu überzeugen.

Schließlich geht es – wie Loki Schmidt, die Ehefrau des Altkanzlers, im Geleitwort betont – doch vor allem darum, möglichst vielen Menschen die Augen zu öffnen »über die noch vorhandene Vielfalt und Schönheit unserer heimischen, gefährdeten Pflanzenwelt«.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 2 / 2003, Seite 89
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
2 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 2 / 2003

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