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ÖKOLOGIE: Fehlgeleitete biologische Schädlingsbekämpfung



Mit einer Flügelspannbreite von 15 Zentimetern ist der Cecropiaspinner Nordamerikas größter Nachtfalter. Doch sein Bestand ist in den letzten hundert Jahren drastisch zurückgegangen. George Boettner und seine Kollegen von der Universität von Massachusetts in Amherst glauben nun den Grund dafür gefunden zu haben. Danach ist der Falter das Opfer einer Maßnahme zur ökologischen Schädlingsbekämpfung im 19. Jahrhundert. Damals verursachte der Schwammspinner große Schäden in amerikanischen Laubwäldern. Um ihn einzudämmen, importierten die betroffenen Bundesstaaten einen natürlichen Feind der Schmetterlinge: die zu den Raupenfliegen gehörende Art Compsilura concinnata. Doch die Fliege legt ihre Eier in die Raupen von mindestens 180 Insektenarten – darunter auch die des Seidenspinners. Wie sehr dieser betroffen ist, belegten die US-Forscher in einem Experiment, bei dem sie Raupen des Nachtfalters an bestimmten Plätzen aussetzten und nach einer Woche wieder einsammelten. 81 Prozent dieser Tiere waren von der Fliege befallen und starben. Das breite Wirkungsspektrum von C. concinnata wird wohl vielen Schmetterlingsarten in den Wäldern der Vereinigten Staaten zum Verhängnis. Mindestens vier Arten der Seidenspinner gelten in Massachusetts bereits als bedroht.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 2 / 2001, Seite 28
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
2 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 2 / 2001

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