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Felsbilder im südlichen Afrika

Malereien und Gravuren der Vorfahren der San-Völker, hierzulande besser als Buschmänner bekannt, sind ein Schlüssel zur Geschichte und Kultur einer jahrtausendealten urtümlichen Jäger-Sammler-Gesellschaft.

Mehr als drei Stunden lang wanderten Aron Mazel vom Natal-Museum in Pietermaritzburg und ich über die grasbewachsenen Hügel am Fuße der Drakensberge in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal, ohne sonst einem Menschen zu begegnen. Dann waren wir endlich am Ziel: einer weiten Höhle, zur Hälfte verdeckt durch Büsche und einen Wasserfall.

Der Vorhang aus sprühender Gischt verbirgt einige der schönsten Beispiele der San- oder Buschmänner-Felskunst in Südafrika – die Wände sind mit mehr als 1600 Darstellungen von Menschen und Tieren in vielfältigsten Szenen und Situationen bedeckt. Unter dem steinernen Dach blieben diese Bildwerke jahrhundertelang vor der Witterung geschützt; erst in jüngster Zeit haben Vandalen sie beschädigt.

Wir übernachteten in der Höhle und sammelten am nächsten Tag kleine Farbblättchen von zehn verschiedenen Wandmalereien in der Umgebung, ehe wir nach Kapstadt zurückkehrten. Es zeigte sich, daß wir eine glückliche Hand gehabt hatten. In dem Pigment vom Bild einer Elenantilope, der größten lokalen Antilopenart, fanden sich mikroskopisch feine Pflanzenfasern, die Mazel und Alan L. Watchman, Eigentümer der kanadischen Firma Data-Roche Watchman, auf ein Alter von 400 Jahren datierten.

Solch eine direkte Messung ist selten. Weil die meisten Felsbilder mit rotem, braunem oder gelbem Ocker – einem wasserhaltigen Eisenoxid – gemalt wurden, enthalten sie keinen organischen Kohlenstoff. Eine C-14-Datierung, bei der man den Anteil dieses gleichmäßig radioaktiv zerfallenden Kohlenstoff-Isotops in totem organischem Material bestimmt, ist darum nicht möglich. Die bisher ältesten bekannten Bildwerke der Region sind bemalte Platten aus 19000 und 26000 Jahre alten Schichten in einer Höhle in Namibia; die übrigen Bildwerke scheinen jedoch aus dem Holozän zu stammen, also der gegenwärtigen geologischen Epoche, die mit Ende der Eiszeit vor ungefähr 10000 Jahren begann.

Die Schöpfer der Felskunst gehörten zu den Ureinwohnern des südlichen Afrika und waren Vorfahren der heutigen San-Völker. Deren Name ist der Linguistik entnommen: Als Khoi-San-Gruppe bezeichnet man mehrere Dutzend verwandter Sprachen und Dialekte, früher auch Hottentotten-Sprachen genannt, für die Klicklaute charakteristisch sind. Die San sind Pflanzensammler und Jäger, und ihre Lebensweise wurde als Modell derjenigen des Frühmenschen eingehend untersucht. Dagegen waren die Khoi Hirten; vor ungefähr 1500 bis 2000 Jahren drangen sie sowie Gruppen eisenzeitlicher Bauern nach Süden in San-Gebiete vor. Von diesem Kontakt zeugen Darstellungen des Dickschwanzschafes, das die Hirten mitbrachten, sowie Abbildungen von Vieh, Assegais (Speeren) und Schilden, wie sie zu der eisenzeitlichen bäuerlichen Kultur gehörten.

Obwohl die Malereien eine dunkle Ahnung von dieser vorgeschichtlichen Epoche vermitteln, ist mangels verläßlicher Datierungen eine detaillierte Rekonstruktion schwierig. Erst seit den Landungen von Europäern im 15. Jahrhundert sind wir über Geschehnisse im südlichen Afrika genauer unterrichtet: Im Jahre 1652 gründeten die Holländer die erste dauerhafte Siedlung in Kapstadt. Während sie ihren Einflußbereich ausweiteten, stießen sie zwangsläufig immer wieder mit einheimischen Stämmen zusammen, und die Lebensweise der San wurde rasch untergraben. Auf Vieh- und Pferdediebstähle reagierten die europäischen Kolonisten mit Vergeltungszügen; mitunter metzelten sie ganze San-Gruppen brutal nieder. Die versprengten Überlebenden wurden schließlich von örtlichen Hirten- und Bauerngesellschaften aufgesogen oder ließen sich als Gelegenheitsarbeiter und Haushilfen rund um europäische Siedlungen nieder.


Bevorzugte Motive: Menschen und Antilopen

Auch die Tradition der Malerei ist schon lange untergegangen. Heute leben – außer in Botswana und Namibia – relativ wenige San-Sprechende auf die althergebrachte Weise; aber selbst in diesen entlegenen Landstrichen sind ihre Lebensgewohnheiten und angestammten Gebiete bedroht. Als Reaktion auf die Enteignungen, denen die Khoi-San – von seiten anderer Afrikaner ebenso wie durch Anordnungen der Apartheid-Behörden – häufig ausgesetzt waren und sind, entwickelten sich in den letzten Jahren nationalistische Strömungen. Nur die weite Verbreitung von archäologischen Fundstätten, Ortsnamen und Felsmalereien vermittelt noch eine Vorstellung davon, welch ausgedehnte Gebiete diese Völker einst bewohnten (Bild 1).

Die San-Kunstwerke lassen sich grob in zwei Klassen einteilen, die sich jedoch teilweise überschneiden: figürliche Malereien, die gewöhnlich in Höhlen und Felsnischen zu finden sind, sowie oftmals abstrakte Gravuren auf Findlingen in trockeneren Gegenden, die bis vor kurzem von Forschern nur wenig beachtet wurden (Bild 7). Die Malereien variieren wiederum nach Stil und Inhalt regional beträchtlich (Bild 4). Gelegentlich sind an einer Fundstelle auch verschiedene Stile vereint; in diesen Fällen läßt sich nicht sagen, ob die Werke aus unterschiedlichen Epochen oder von verschiedenen Künstlern desselben Zeitraums stammen.

Nach Ansicht früherer Forscher entwickelten sich eine breitere Farbpalette und stilistische Verfeinerungen erst allmählich; demnach sollten die schlichteren oder weniger sorgsam gearbeiteten, einfarbigen Bilder die ältesten sein. Mittlerweile wissen wir, daß dies nicht generell gilt: Einige der ungeschliffensten Zeichnungen sind wahrscheinlich die jüngsten – vielleicht Graffiti von Schafhirten und Kindern.

Weitaus am häufigsten sind Menschen dargestellt – gewöhnlich nackt und im Profil. Die meisten scheinen männlich zu sein, doch läßt sich nach Auszählungen von Patricia Vinnicombe vom Ministerium für Aborigin-Angelegenheiten in Westaustralien, von dem (inzwischen verstorbenen) österreichischen Anthropologen Harald Pager und von anderen bei mindestens der Hälfte der Figuren das Geschlecht nicht eindeutig feststellen.

Ein beliebtes Motiv sind auch große Pflanzenfresser. Während in ganz Südafrika Abbildungen der Elenantilope (Tragelaphus oryx) überwiegen, wurde diese Tierart in Simbabwe selten gemalt; hier dominiert der Große Kudu (T. strepsiceros). Elefantendarstellungen findet man im Südwesten der Kapprovinz häufig, aber nur selten in den Drakensbergen im Nordosten Südafrikas.

Welche Tierart bevorzugt dargestellt wurde, hängt nach den Ergebnissen von paläontologischen Ausgrabungen allerdings nicht einfach von der lokalen Fauna ab; und es hat offenbar auch nichts mit dem wichtigsten Nahrungslieferanten zu tun. Bemerkenswert ist, daß die San mit Ausnahme von Schlangen nur sehr selten Reptilien und kaum jemals Insekten malten. An Landschaftsmotiven zeigten sie ebenfalls so gut wie kein Interesse.

Mündliche Überlieferungen

Sehr hilfreich bei der Interpretation der Felskunst sind zahlreiche Berichte von Angehörigen des San-Volkes, und zwar zumeist des Stammes, der die San-Variante !Xam sprach (das Ausrufezeichen steht für einen Klicklaut). Eine Gruppe solcher Männer aus dem Norden der Kapprovinz war 1870 in Kapstadt wegen Vergehen inhaftiert worden, die von Viehdiebstahl bis zu Mord reichten. Der deutsche Philologe und Afrikanist Wilhelm H. I. Bleek (1827 bis 1875) erhielt die Aufsicht über sie. Er ließ die Gefangenen Hütten in seinem Garten bauen und als Hausdiener arbeiten; hauptsächlich aber veranlaßte er sie, von ihren Traditionen erzählen. Während Bleek sich auf die Sprache konzentrierte, zeichnete seine Schwägerin Lucy Lloyd auf mehr als 10000 Seiten !Xam-Brauchtum auf ("Specimens of Bushman Folklore" von W. H. I. Bleek, L. C. Lloyd und G. M. Theal, Verlag George Allen, London 1911).

Allerdings fertigten die !Xam auch damals schon keine Felsmalereien oder Gravuren mehr an und konnten die Kunstwerke nicht direkt kommentieren. Nur ein Bericht mit Angaben zum Malvorgang ist überliefert. In den dreißiger Jahren machte eine Mrs. How einen alten Mann namens Mapote aus dem Bantu-Stamm der Sotho ausfindig, dessen Stiefbrüder Halb-San waren. Sie hätten, wie er erzählte, als junge Leute "gewöhnlich an einem Ende einer Höhle und die wahren Buschmänner am anderen gemalt". Als er das demonstrieren sollte, fertig-te Mapote Pinsel, indem er Federn in Schilfrohr einsetzte, und verlangte das Blut einer frisch getöteten Elenantilope, um seine Pigmente damit anzurühren. Als Motive wählte er Elen- und Kuhantilopen (Alcelaphus buselaphus) sowie Löwen und Menschen. Obwohl nicht feststeht, daß Mapote dieselbe Technik anwandte wie die prähistorischen San, vermittelte er wohl doch einen Eindruck davon, wie die Felskunst einst entstanden war.


Rituale – aber welche?

Nach den Aussagen der !Xam-Männer waren Jagdmotive nicht so dominierend, wie frühe Forscher geglaubt hatten. Manche Szenen, die man ursprünglich dafür gehalten hatte, dürften vielmehr ein wichtiges Regenmacher-Ritual darstellen (Bild 2). Die !Xam sahen die Regenwolke als Tier, das auf Beinen aus strömendem Regen über das Land läuft. Regenmacher mußten einen großen mythischen Pflanzenfresser aus seiner Behausung in einem Wasserloch locken, ihn an einen hochgelegenen Ort bringen und schlachten; wo sein Blut hinfloß, sollte Regen fallen.

Die mutmaßlichen Wolkentiere ähneln tatsächlich großen Pflanzenfressern wie Antilopen oder Flußpferden, zeigen aber oftmals seltsame Züge und Proportionen (Bild 5 Mitte rechts). Khoi- wie San-Völker haben immer noch sehr ähnliche Regenmythen. Zu Beginn dieses Jahrhunderts beschrieb ein Anthropologe eine Khoi-Zeremonie mit Tieropfer, die in vielen Details jenen entspricht, von denen die !Xam berichten.

Wieviel man auf solche Übereinstimmungen geben kann ist indes fraglich. Seit den späten siebziger Jahren vertritt David Lewis-Williams von der Universität Witwatersrand die These, daß sich viele der Malereien auf Heilungsrituale bezögen, wie sie heute noch in den Stammessiedlungen in Botswana und Namibia praktiziert werden. Bei einem Tanz, der die ganze Nacht dauern kann, versetzen sich die Schamanen durch rhythmische Bewegungen, Singen und Klatschen in Trance. In diesem halluzinatorischen Zustand glauben sie Zugang zur Geisterwelt zu erhalten und übernatürliche Kräfte zu empfangen, mit denen sie die Probleme der Gemeinschaft einschließlich Krankheiten ihrer Mitglieder zu bewältigen vermögen.

Zahlreiche Merkmale der Felskunst lassen sich als Hinweis auf Schamanismus deuten. So haben etwa einige der menschlichen Figuren rote Streifen unter der Nase; tatsächlich kann ein Medizinmann in Trance aus der Nase bluten.

Lewis-Williams und seine Kollegen meinen zudem, daß die ersten künstlerischen Darstellungen überhaupt solchen metaphysischen Erfahrungen entstammen könnten. Da die Hirnstruktur aller Menschen dieselbe ist, schließen sie, daß auch halluzinierte visuelle Formen zu allen Zeiten und an allen Orten gleich sein sollten; demnach seien die südafrikanischen Felsmalereien ebenso wie europäische geometrische Zeichnungen aus Paläolithikum und Bronzezeit sowie die Kunst nordamerikanischer Indianer übereinstimmend als Ausdruck übersinnlichen Erlebens zu verstehen.


Fenster zur Kultur

Meiner Ansicht nach legt die Vielfalt der Darstellungen jedoch eher unterschiedliche Ursprünge und Beweggründe nahe. Mehrere Wissenschaftler haben auf die erstaunlichen Ähnlichkeiten in der Mythologie von San-Gruppen hingewiesen, die zu ganz verschiedenen Zeiten an weit entfernten Orten lebten. Alle erzählen sie von einer Frühzeit, als die Lebewesen sämtlich Tiere waren; die Herausbildung der Menschen geschah erst durch einen besonderen Schöpfungsakt. Doch auch die waren zunächst überwiegend dumm, grobschlächtig und ungesittet; erst nach einem weiteren Schöpfungsakt wurden sie zu den heutigen San. (Nach einer Variante benötigten allerdings nur die Frauen diesen zweiten metaphysischen Eingriff, um zum vollkommenen Menschentum zu gelangen.)

Viele Geschichten handeln von den Taten der Tiermenschen. Einige erklären die Ursprünge des Feuers oder der Himmelskörper, andere, warum der Pavian ein kahles Hinterteil hat, Menschen heiraten und der Tod unvermeidlich ist. Heldensagen schildern Begegnungen mit kriegerischen Nachbarn oder gefährlichen Raubtieren. Nahrung ist ein ständiges Thema – und überraschend viele Erzählungen handeln von Autophagie, also dem Verzehr des eigenen Körpers (dieses Motiv mag mit dem hohen Symbolwert von Fleisch zusammenhängen, bleibt ansonsten aber rätselhaft). Die tradierten Mythen dramatisieren die existentiellen Grundfragen, denen sich die jagenden und sammelnden Völker gegenübersahen, und kreisen vielfach um Themen wie Tod und Erneuerung. Oft handeln sie von der Beziehung zwischen physischer Welt und jener der Geister und offenbaren die San-eigene Sicht des Universums.

Mit dem Glauben, daß die Menschen einst Tiere waren, lassen sich auch die Abbildungen von Mischwesen – sogenannten Therianthropen – deuten (Bild 6). Möglicherweise stellen sie ebenso wie andere phantastische Kreaturen die Bewohner der ursprünglichen Welt dar. Einige könnten aber auch die Erfahrung der Transmutation eines Schamanen wiedergeben, dessen Seele während der Trance aus dem Körper in das Reich der Totengeister übertritt. Da die mythische Welt jedoch allen vertraut gewesen sein dürfte, waren die Künstler wohl nicht ausschließlich Schamanen.

Bemerkenswerterweise fehlen viele mythologische Kreaturen in den Malereien. Lewis-Williams begründet dies damit, daß die Kunst dem Ritual näher stünde als der Mythologie. Auch wenn sie keine bildhafte Wiedergabe der Mythen ist, fußen beide jedoch auf denselben religiösen Überzeugungen. Die Mythologie hätte somit den übergreifenden Kontext gebildet. Wahrscheinlich entstanden viele Gemälde während oder in Verbindung mit Zeremonien oder ähnlich bedeutsamen Ereignissen.

Darstellungen europäischer Siedler spiegeln dagegen tatsächliche Geschehnisse wider (Bild 8). Von Kontakten zwischen den San und anderen afrikanischen Volksgruppen zeugen Abbildungen von Vieh, das die eingewanderten Hirten und Bauern einführten, ebenso wie eiserne Gerätschaften, Maiskolben und Glasperlen, die bei Ausgrabungen entdeckt wurden. John Parkington von der Universität Kapstadt vermutet zudem, daß die Handabdrücke, die sich entlang der Südwestküste finden und gewöhnlich frühere Kunstwerke überlagern, von Khoi-Hirten stammen.

San-Gesellschaften sind egalitär in dem Sinne, daß alle Mitglieder gleichberechtigt Anspruch auf das Lebensnotwendige haben. Dennoch genießen die Männer in den von Anthropologen untersuchten Gruppen einige Vorteile. Ihren Status hebt, daß sie die Gemeinschaft mit dem hochgeschätzten Fleisch versorgen, während die Frauen Wurzeln und Früchte sammeln. Anscheinend waren ausschließlich Männer Regenmacher, und in modernen San-Gruppen stellen sie den weit überwiegenden Teil der Schamanen. Wie schon angemerkt, sind auf den meisten der großen, dicht bemalten Felswände auch eigentümlich wenige Frauen abgebildet.

Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet ein von mir untersuchter Fundplatz im Südwesten der Kapprovinz (Bild 3). Wahrscheinlich wurden Orte, an denen hauptsächlich ein Geschlecht dargestellt ist, während eines von diesem durchgeführten Rituals bemalt. Bei Frauen wäre an die weibliche Initiation zu denken, eine gut dokumentierte Zeremonie, die beim Eintritt der Mädchen ins Erwachsenenleben mit einem Fest begangen wurde (während die männliche Initiation ein weit weniger wichtiger Ritus gewesen zu sein scheint). Dies hieße aber, daß die Kunst – anders als vielfach unterstellt wird – keine ausschließlich männliche Domäne war.


Gefährdetes Kulturerbe

Vollständig ist die Geschichte der prähistorischen Kunst Südafrikas bisher nicht wissenschaftlich zu erschließen. Das Hauptproblem bilden die Altersbestimmungen. Die Massenspektrometrie erlaubt zwar manchmal die Radiokohlenstoff-Datierung geringster Mengen organischen Materials im Binder, der mit den Pigmenten vermischt wurde. Man kann jedoch nie sicher sein, ob eine Probe nicht vielleicht doch verunreinigt ist; außerdem haben die San-Künstler anscheinend nicht immer Binder benutzt. Die zuverlässigsten Informationen stammen von Steinchen mit Farbspuren, die von einer Höhlenwand abgebröselt sind und am Boden eingebettet wurden. Holzkohle und andere organische Substanzen aus den Ablagerungsschichten können mit der C-14-Analyse grob datiert werden.

Solche Funde sind zwar selten, aber jüngst mehrfach gelungen. So stießen Royden Yates und Antonieta Jerardino von der Universität Kapstadt kürzlich bei Ausgrabungen in einer Höhle an der Westküste auf bemalte Platten, für die ein Alter von rund 3500 Jahren ermittelt wurde. Und außer der Höhle, die Mazel und ich in KwaZulu-Natal untersuchten, ergab noch ein dritter Fundplatz ein präzises Datum: Im Südwesten der Kapprovinz nahmen Archäologen von der Universität Kapstadt Proben von einer in Schwarz gemalten menschlichen Figur. Die wahrscheinlich auf Holzkohle basierende Farbe enthielt ausreichend Kohlenstoff für eine Datierung, die 500 plus/minus 140 Jahre ergab.

Noch gibt es viele unerforschte Regionen, in denen Bildwerke zu vermuten sind, die vielleicht eingehendere Erkenntnisse liefern, aber auch neue Fragen aufwerfen dürften. Die umfassende Dokumentation ist nicht nur von akademischem Interesse; als außergewöhnliches Relikt vorkolonialer Zeiten ist die San-Felskunst ein wesentlicher Teil des südafrikanischen Kulturerbes, das nach dem Ende der Apartheid nationale Identität zu stiften vermag.

Doch die Malereien verblassen langsam, blättern ab oder werden mutwillig zerstört; teils verschwinden auch gravierte Findlinge. Durch die vereinten Anstrengungen einer Reihe von Spezialisten hoffen wir zu erreichen, daß die schöpferischen Zeugnisse einer alten afrikanischen Kultur überdauern, die auf tragische Weise verdrängt wurde.

Literaturhinweise

- Ndedema. Von Harald Pager. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1971.

– People of the Eland. Von P. Vinnicombe. University of Natal Press, 1976.

– Believing and Seeing: Symbolic Meanings in Southern San Rock Pain-tings. Von J. David Lewis-Williams. Academic Press, 1981.

– Felsbilder in Südafrika. Von Gerhard J. Fock und Dora Fock. Fundamenta-Monographien zur Urgeschichte, Reihe A, Band 12, Teil I-III. Böhlau, Köln 1989.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 1997, Seite 60
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 1997

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 1997

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