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Hirnfunktion: Ferngesteuerte Ratten



Für gefährliche Aufgaben wie die Entschärfung von Bomben oder die Suche nach Minen werden oft Roboter eingesetzt. Deren Beweglichkeit ist allerdings begrenzt. Ratten kommen dagegen fast überall hin. Aber wie macht man sie zu willenlosen Werkzeugen? Ein Team um Sanjiv Talwar an der State University von New York hat die Antwort gefunden. Es implantierte den Nagern Elektroden ins Hirn: zwei zur Richtungssteuerung in den Bereich, in dem normalerweise Informationen aus den Barthaaren eintreffen, und eine zur Motivation ins Belohnungszentrum. Auf den Rücken der Tiere schnallten sie einen Minirucksack mit Batterie und Empfänger mit einer Reichweite von bis zu 500 Metern. Bei einem zehntägigen Training im Labyrinth lernten die Ratten, auf die externen Befehle wunschgemäß zu reagieren. Danach waren sie fast in jedem Gelände nach Belieben zu steuern. Sie kletterten sogar ferngelenkt auf Bäume und spazierten über freies, helles Gelände, was sie von sich aus niemals täten. Nur ein letztes Fünkchen Widerstand gegen die lenkende Hand konnten sich die Nager bewahren: Lebensgefährliche Sprünge in die Tiefe verweigerten sie. Tierquälerei? Keineswegs, meint Talwar, denn die Ratten fühlten sich wegen der Stimulation ihres Belohnungssystems stets wohlgemut. Immerhin gesteht er ein, dass die Methode ethische Fragen aufwirft. (Nature, 2. 5. 2002, S. 37).

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2002, Seite 76
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
7 / 2002

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 7 / 2002

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