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Pflanzen und Psyche: Forschers Blütenlese

Ein farbenfroher Strauß erfreut nicht nur das Auge. Der französische Psychologe Nicolas Guéguen hat ermittelt, wie leicht Menschen durch Blumen und ­Zimmerpflanzen zu beeinflussen sind: in Beruf, Schule - und bei der Partnerwahl.
Romantisches StimulansLaden...
Blumen sagen mehr als jedes Gezwitscher – nach diesem Motto verfährt offenbar das Laubenvogelmännchen. Der in Neuguinea und Australien heimische Singvogel verwendet Blumen beim Nestbau, um Weibchen anzulocken – je schöner die Blütenpracht, desto erfolgreicher ist seine Brautwerbung.
Und beim Menschen? Steigen die Chancen beim Buhlen um die weibliche Gunst, wenn der Mann einen Strauß zu Hilfe nimmt? Ob und wie Blumen unser Denken, Fühlen und Handeln ­beeinflussen, ergründen Forscher seit einigen Jahren mit Hilfe von Experimenten im Labor und in Alltagssituationen. 2010 untersuchten meine Kollegen und ich, ob allein schon das V­orhandensein von Blumen in einem Raum genügt, um Männer für Frauen attraktiver erscheinen zu lassen.
Wir luden Studentinnen ein, die Bilder junger Künstler zu bewerten, und baten sie unter diesem Vorwand in unser Labor. Dort wartete ein Komplize von uns, der den Probandinnen als weiterer Teilnehmer vorgestellt wurde. Den Versuchsraum hatten wir zuvor präpariert: entweder mit drei großen, bunten Blumensträußen oder mit drei Postern mit entsprechenden Motiven – oder das Zimmer blieb undekoriert. Nun präsentierten wir jeder Studentin und dem vermeintlichen zweiten Teilnehmer Kunstwerke auf einem Bildschirm und fragten sie nach ihrer Meinung. Damit alle Probandinnen abgesehen vom Zimmerschmuck die gleichen Bedingun­gen hatten, äußerte unser Komplize bei jedem Durchgang dieselbe Meinung. Zur Nachbefragung baten wir nun beide in verschiedene Zimmer, und die Studentin sollte angeben, wie attraktiv sie ihren Koteilnehmer fand. Tatsächlich verschaffte die Blütenpracht dem Mann einen Vorteil: War der Versuchsraum mit Sträußen ausgestattet, fanden die Probandinnen ihn im Schnitt körperlich attraktiver und sexuell anziehender und hatten nach eigenen Angaben mehr Spaß an der gemeinsamen Aufgabe gehabt. Die Poster dagegen zeigten keine Wirkung ...
Mai 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Mai 2011

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  • Quellen
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