Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Algorithmen: Der Umbau der Mathematik mit Computerunterstützung

Lange zeigten sich Fachleute skeptisch gegenüber maschinellen Beweisassistenten. Doch nun hat ein Rechner eine bedeutende Arbeit geprüft, die den Weg zu einer vereinheitlichten Mathematik ebnen soll.
Ein Schüler lehnt mit dem Kopf an einer Tafel mit Mathe-Formeln.

Peter Scholze möchte einen Großteil der modernen Mathematik erneuern, ausgehend von einem ihrer Grundpfeiler. Jetzt wurde das Kernstück seiner Idee – ein entscheidender Beweis – von einer ungewöhnlichen Instanz bestätigt: einem Computer.

Die meisten Mathematikerinnen und Mathematiker bezweifeln, dass Maschinen die kreativen Aspekte ihres Berufs in absehbarer Zeit ersetzen werden. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass moderne Technologien künftig eine zunehmend wichtige Rolle in der Forschung spielen könnten. Das neueste Ergebnis unterstützt diese Vermutung.

2019 präsentierte der renommierte Zahlentheoretiker Scholze seinen ehrgeizigen Plan, den er gemeinsam mit seinem Kollegen Dustin Clausen von der Universität Kopenhagen entwickelte, in einer Vortragsreihe an seiner Heimatuniversität Bonn. Die beiden Forscher tauften ihr Projekt »kondensierte Mathematik«. Es verspricht neue Erkenntnisse und Verbindungen zwischen den verschiedensten mathematischen Bereichen, von der Geometrie bis zur Zahlentheorie.

Das erregte schnell das Interesse ihrer Kolleginnen und Kollegen, denn Scholze gilt als einer der hellsten Sterne des Fachs und ist für seine revolutionären Konzepte bekannt. Wird ihre Vision verwirklicht, könnte die Art und Weise, wie die Disziplin gelehrt wird, in 50 Jahren völlig anders aussehen als heute, urteilt die Algebraikerin Emily Riehl von der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland.

Bis jetzt beruhte ein Großteil des ehrgeizigen Projekts auf einem Beweis, der so kompliziert war, dass selbst Scholze und Clausen nicht sicher sein konnten, ob er korrekt war …

Kennen Sie schon …

Spektrum - Die Woche – Wer löst das Navier-Stokes-Problem – Mensch oder KI?

Spektrum der Wissenschaft – SdW 8/2026 Das Ende der Unendlichkeit

Eine Gruppe von Mathematikern fordert, das Unendliche aus der Mathematik zu verbannen – eine Position, die viele Fachleute für unhaltbar halten. Unser Titelthema beleuchtet die radikalen Thesen der Ultrafinitisten und die Kritik daran. Außerdem: Eine neue Theorie verleiht der Raumzeit eine faszinierende, nichtperiodische Ordnung – ähnlich wie bei Quasikristallen. Ein weiterer Beitrag mahnt vor den Folgen, wenn künstlich erzeugtes, spiegelbildliches Leben auf natürliche Organismen trifft. Und wir fragen: Könnte die Wiederbelebung ausgestorbener Arten tatsächlich der Artenschutz der Zukunft sein?

Spektrum - Die Woche – Warum der Ball der Fußball-WM gar nicht so rund ist

Der »rundeste Ball aller Zeiten« für die Fußball-WM 2010 verhielt sich zum Leidwesen der Spieler, nicht so wie sie es gewohnt waren. Lesen Sie warum perfekte Kugeln nicht immer von Vorteil sind und welche Bedenken der aktuelle, von einem Tetraeder abgeleitete, WM-Ball »Trionda« aufwirft.

  • Quelle

Scholze, P.:Lectures on condensed mathematics. Uni Bonn, 2019

Schreiben Sie uns!

1 Beitrag anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.