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Molekulargenetik: Frauenraub der Wikinger



Die Isländer sind stolz darauf, ihre Ahnen bis zu den Wikingern zurückverfolgen zu können. Doch die kühnen Seefahrer sind nicht die einzigen Vorfahren der heutigen Inselbewohner. Wissenschaftler um Agnar Helgason von der Universität Oxford sowie von deCODE Genetics in Reykjavik nahmen jetzt 1700 Personen aus Island, Großbritannien, Skandinavien und anderen Regionen unter die Lupe. Indem sie die DNA der Mitochondrien analysierten, die nur mit den Eizellen weitergegeben wird, erhielten sie Auskunft über die mütterliche Linie des Stammbaums. Dabei zeigte sich, dass sechzig Prozent der weiblichen Vorfahren nicht Skandinavier, sondern Kelten waren. Dagegen hatte eine vo-rangegangene Analyse männlicher Y-Chromosomen ergeben, dass die Männer zu achtzig Prozent aus Skandinavien kamen. Damit bestätigt modernste Genetik eine isländische Handschrift aus dem 12. Jahrhundert. Das "Buch der Landnahme" enthält zahlreiche Hinweise, dass die ersten Frauen Islands nicht gemeinsam mit den Männern von Skandinavien aufgebrochen sind, sondern überwiegend von den Britischen Inseln stammen. Vermutlich raubten die Wikinger sie dort aus keltischen Siedlungen, als sie auf dem Weg nach Island im Nordwesten Britanniens Zwischenstation machten. (American Journal of Human Genetics, Bd. 68, S. 723)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001, Seite 26
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
5 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001

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