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Hinter den Schlagzeilen: Jeder Tag ein Sonntag

Auf die neue "Rente mit 63" freuen sich viele Menschen. Aber tut uns der frühe Ruhestand wirklich gut? Jein, sagen Forscher.
Verlockende AussichtLaden...

"Zum Glück sind es nur noch zehn Jahre bis zur Rente!" Mit solchen und ähnlichen Gedanken trösten sich viele, wenn der Stress im Job mal wieder überhandnimmt. Mit Anfang oder Mitte 60 endlich kürzer treten, sich nur noch um Haus und Garten kümmern oder eine Weltreise unter­nehmen – diese Aussicht klingt verlockend.

So mancher würde wohl lieber früher als spä­ter in Rente gehen. Das zeigen etwa die Reaktionen auf die jüngste Rentenreform der großen Koalition, die am 1. Juli 2014 in Kraft trat. Wer 45 Beitragsjahre vorweisen kann, soll künftig schon mit 63 Jahren abschlagsfrei aus dem Arbeitsleben ausscheiden können. In vollem Umfang profitiert davon allerdings nur, wer in den Jahren 1951 und 1952 geboren wurde. Trotzdem findet die Regelung durchaus Anklang: Bereits Ende Juni waren laut Angaben der Deutschen Rentenversicherung und regionaler Versicherungsträ­ger mehr als 12 000 Anträge auf die neue Rente mit 63 eingegangen.

Doch macht uns der Ruhestand wirklich zu­ friedener als das Arbeitsleben? Oder wirkt er sich am Ende sogar eher negativ auf unser Wohlbefin­den aus, weil wir des langen Ausschlafens und des süßen Nichtstuns schneller überdrüssig wer den als gedacht? Und wie ist es überhaupt um die Gesundheit und die geistigen Fähigkeiten von Rentnern bestellt?

In puncto Zufriedenheit kamen in der Vergangenheit viele Studien zu dem Schluss, das Rentnerdasein mache tatsächlich glücklicher. 2010 untersuchte etwa der kanadische Ökonom Ehsan Latif von der Thompson Rivers University in Kamloops das Wohlbefinden älterer Menschen vor und nach dem Renteneintritt. Dabei stellte er unter anderem fest, dass Ruheständler im Schnitt etwas glücklicher waren als gleichaltrige Studienteilnehmer, die noch einer geregelten Arbeit nachgingen. Ehepartner, gute Gesundheit, Bildung, ein hohes Einkommen und ein Eigenheim förderten ebenfalls die Zufriedenheit. Laut Latif sinken mit dem Ausstieg aus dem Beruf vor allem Stress, Anspannung und Leistungsdruck – was das Wohlbefinden hebt ...

9/2014

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 9/2014

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  • Quellen

Bender, K. A.: An Analysis of Well-Being in Retirement: The Role of Pensions, Health, and "Voluntariness" of Retirement. In: The Journal of Socio-Economics 41, S. 424-433, 2012

Bonsang, E. et al.: Does Retirement affect Cognitive Functioning? In: Journal of Health Economics 31, S. 490-501, 2012

Coe, N. B., Zamarro, G.: Retirement Effects on health in Europe. In: Journal of Health Economics 30, S. 77–86, 2011