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Editorial: Fünf, zwei, drei, vier!

Christiane GelitzLaden...

Sollten Sie studierte Psychologen kennen, ­machen Sie einmal folgendes Experiment: Fragen Sie sie nach den "Big Five", den fünf gro­ßen Persönlichkeitsdimensionen, und außerdem nach den Namen ihrer Großeltern. Wetten, dass die meisten Ihrer Probanden die fünf Eigenschaften schneller aufzählen können?

Die Big Five – Extraversion, emotionale Stabilität, Offenheit für neue Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit – traten ihren Siegeszug in den späten 1980er Jahren an und beherrschen seither die Persönlichkeitsfor­schung; jeder Psychologiestudierende lernt sie früher oder später einmal auswendig. Doch inzwischen gibt es Konkurrenz. Zunächst reduzierten Forscher die fünf Faktoren auf zwei, ­genannt "Alpha" (emotionale Stabilität, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit) und "Beta" (Extraversion und Offenheit für neue Erfahrungen). Jetzt verfolgen Psychologen einen weiteren Ansatz: Sie suchen nach jenen Eigenschaften, anhand derer wir andere Menschen beurteilen.

Das Ergebnis, das unsere Autorinnen Andrea Abele-Brehm und Susanne Bruckmeier ab S. 30 vorstellen, sind die beiden Dimensionen "Agency" (in etwa: Zielstrebigkeit) und "Communion" (Warmherzigkeit). Ihre Extremformen kennen wir aus Film und Fernsehen: Dort charakterisieren sie die Rolle des Superhelden und die des Heiligen.

Ihnen gegenüber stehen die Antihelden – und ihre Waffen heißen Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie (Artikel ab S. 36). Diese drei Eigenschaften sollen die dunkle Seite unseres Charakters beschreiben. Zuletzt fügten ­Psychologen als viertes Merkmal den Sadismus hinzu und verwandelten so die "Dunkle Triade" in eine "Tetrade". Wer da noch durchblicken will, findet in unserem Titelthema Orientierung.

Ein Gegengewicht zu so viel Psychologie bilden zwei lange vernachlässigte Gegenstände der Hirnforschung: das Claustrum (ab S. 48) und die Blutgefäße (ab S. 58). Was wir auf Hirnscans sehen, sind die Vorgänge in den Blutbahnen, nicht die neuronalen Prozesse selbst. Und das wenig beachtete Claustrum könnte sich laut manchen Forschern sogar als Schlüssel zum Bewusstsein entpuppen.

Spannende Entdeckungen wünscht

Ihre
Christiane Gelitz

4/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 4/2015

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